Mit Revolutionen kennt man sich in Leipzig ja aus. In »Figaros Hochzeit« vermischen sich Revolutionäres und Amouröses auf turbulente Art an einem wahrhaft tollen Tag – im Sinne von »Tollheit« und im Sinne von »Meisterwerk«. Wolfgang Amadeus Mozart und Lorenzo Da Ponte trafen gleich mit ihrer ersten Zusammenarbeit ins Schwarze. Der brisanten Vorlage »Der tolle Tag« von Beaumarchais mussten sie zwar vordergründig die revolutionären Zähne ziehen, aber die Oper brachte die Revolution dennoch auf die Bühne. Auch für uns ist der Sinn heute noch zugänglich: Die Hierarchien werden neu verhandelt. Der Graf, dem Figaro einst alle Hindernisse aus dem Weg räumte, hat ein Auge auf Figaros Verlobte, die Zofe Susanna geworfen und möchte nun ein altes feudales Recht wiederbeleben. Aber da hat er die Rechnung ohne Figaro und erst recht ohne Susanna gemacht, die den Verlobten an List und Charme noch überflügelt. Sie verbündet sich zudem mit ihrer Herrin, der Gräfin, und knüpft so ein Band zwischen Personal und Herrschaft. Bleibt es bei der klassenübergreifenden Solidarität? Kann Susanna sich dem Grafen entziehen?
Regisseurin Ilaria Lanzino wurde für »Mary, Queen of Scots« (Oper Leipzig 2023) von Kritik und Publikum gefeiert und versteht sich bestens auf Mozarts Meisterwerk, das Liebe, Umsturz und Politik in eine funkelnde Komödie fasst, auf einer Bühne, die so wandelbar ist wie die Handlung.
























