Choreographie schreibt sich fort. Über Musik, über Körper, über Zeit. Ein Faden läuft von einer Arbeit zur nächsten, verbindet Menschen und Orte und verwebt sich in die DNA einer Company.
Anne Jungs Choreographie zu Sibelius’ 2. Sinfonie greift auf das mythologische Motiv der Unterwelt zurück. Im Zentrum stehen Schwellenerfahrungen: Transformation, zyklische Wiederkehr, die Spannung zwischen Bestimmung und Autonomie. Jung arbeitet mit mythologischen Strukturen als Assoziationsräumen und stellt Fragen, die über Zeiten und Gesellschaften hinweg aktuell sind: Was ist vorgegeben? Welche Muster erben wir, welche durchbrechen wir?
Uwe Scholz’ Pas de deux aus der 8. Sinfonie von Anton Bruckner steht wie als Antwort – ein Faden, der schon fest verwoben ist in dieser Stadt. Der dritte Satz – Bruckners Adagio, seine Meditation über Vergänglichkeit und Transzendenz – zeigt 30 Minuten konzentrierter Zweisamkeit. Wir sehen Liebe in ihrer ganzen Bandbreite: verletzlich und kraftvoll, aufgelöst und präzise, irdisch und erhaben. Die choreographische Präzision, mit der er die musikalische Monumentalität in menschliche Nähe übersetzt, ist beispiellos. Sein Erbe in Leipzig bedeutet künstlerische Haltung: Wahrhaftigkeit in Musik und Tanz, Kompromisslosigkeit der Form.










