Veränderung als Chance – Dinge neu denken

    Ein Gespräch mit der neuen Geschäftsführenden Intendantin Lydia Schubert der Oper Leipzig
    Freitag 21.08.2026
    Opernhaus
    Opernhaus

    Seit 1. August 2026 ist Lydia Schubert Geschäftsführende Intendantin der Oper Leipzig und trägt damit zusätzlich zu ihrer Aufgabe als Verwaltungsdirektorin Verantwortung für die Spielzeiten 2026/27 und 2027/28. Die Oper Leipzig mit dem Opernhaus am Augustusplatz und der Musikalischen Komödie in Lindenau kennt sie bestens: Seit 2021 gestaltet sie als Verwaltungsdirektorin die Entwicklung des Hauses mit. Zum Start in die neue Aufgabe haben wir ihr vier Fragen gestellt.

    Frau Schubert, als langjährige Verwaltungsdirektorin übernehmen Sie nun zusätzlich die Funktion als Geschäftsführende Intendantin und damit auch künstlerische Verantwortung. Was bedeutet diese neue Rolle für Sie?

    Für mich ist dieser Schritt vielleicht weniger ungewöhnlich, als es zunächst klingt. Ich komme aus einer Künstlerfamilie und bin mit Kunst, Musik und Theater aufgewachsen. Für mich selbst habe ich irgendwann einen anderen Weg gewählt: Kunst nicht selbst zu machen, sondern die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass sie entstehen kann.

    Und natürlich waren Kunst und Verwaltung für mich auch bisher nie zwei getrennte Welten. Was am Ende auf unseren Bühnen zu erleben ist, entsteht nur im Zusammenspiel vieler Menschen – in den Ensembles, im Orchester, in den Werkstätten, der Technik und der Verwaltung. In meiner neuen Rolle kommt für mich nun noch stärker zusammen, was ich schon immer zusammen gedacht habe: künstlerischer Anspruch, organisatorische Möglichkeiten und wirtschaftliche Verantwortung.

    Welche Akzente wollen Sie in Ihrer Zeit als Geschäftsführende Intendantin setzen?

    Wichtig ist mir dabei, gemeinsam mit meinem Team klare Prioritäten zu entwickeln.  Uns auf das zu konzentrieren, was mit den gegebenen Möglichkeiten machbar ist. Dabei gilt für mich ganz klar: Qualität vor Quantität.

    Künstlerisch möchte ich Bewährtes mit neuen Impulsen verbinden. Wir wollen neugierig sein, Dinge ausprobieren und Kooperationen mit anderen Häusern stärker nutzen. Gleichzeitig natürlich immer unser Publikum im Blick haben: Was interessiert die Menschen? Womit können wir sie überraschen? Und wie erreichen wir auch diejenigen, die bisher noch nicht selbstverständlich zu uns kommen?

    Schon der Spielplan 2026/27 trägt an einigen Stellen unsere Handschrift. Als klar war, dass die Geschäftsführende Intendanz auf mich zu kommt, haben wir ihn ergänzt und angepasst. Dabei waren uns künstlerische Vielfalt, Kooperationen und ein attraktives Angebot für unser Publikum besonders wichtig.

    Oper Leipzig heißt für mich eben auch: unterschiedliche Genres, unterschiedliche Orte und unterschiedliche Zugänge unter einem gemeinsamen Dach.

    Was wollen Sie in den kommenden zwei Jahren erreichen – auch mit Blick auf die dann folgende neue Intendanz von Peter Heilker?

    Natürlich möchte ich, dass mehr Menschen unsere Vorstellungen besuchen. Aber Auslastung allein ist für mich nicht das Ziel. Ich möchte die Oper Leipzig mit ihren beiden Spielstätten – dem Opernhaus am Augustusplatz und der Musikalischen Komödie in Lindenau – noch stärker zur Stadt und zu den Menschen hin öffnen.

    Beide Häuser haben dabei ihren ganz eigenen Charakter und Reiz und erreichen zum Teil auch ein unterschiedliches Publikum. Genau das ist eine große Stärke der Oper Leipzig. Die Musikalische Komödie ist tief in ihrem Stadtteil verwurzelt und steht mit Operette, Musical und Spieloper für eine besondere Tradition, die wir bewahren und zugleich weiterentwickeln wollen.

    Auch das Opernhaus am Augustusplatz soll und muss noch selbstverständlicher Teil des städtischen Lebens werden – und zwar nicht nur dann, wenn abends der Vorhang aufgeht. Dafür werden wir beispielsweise künftig sogar unser Konzertfoyer für standesamtliche Trauungen öffnen. Auch unsere Balkone zum Augustusplatz werden wir für  kleine Konzerte nutzen und mit Treppenkonzerten neue Formate ins Haus bringen.

    Mir geht es an beiden Standorten darum, zusätzliche Anlässe für Begegnungen zu schaffen und Menschen neugierig auf uns zu machen. Oper Leipzig heißt für mich eben auch: unterschiedliche Genres, unterschiedliche Orte und unterschiedliche Zugänge unter einem gemeinsamen Dach.

    Wie viele Kultureinrichtungen steht auch die Oper Leipzig vor schwierigen Zeiten – insbesondere bei der Finanzierung. Wie wollen Sie dieser Herausforderung begegnen?

    Wir müssen zunächst offen benennen, dass die laufenden Kosten stärker steigen als die uns zur Verfügung stehenden Mittel. Das ist kein kurzfristiges Problem, sondern eine strukturelle Herausforderung, für die wir gemeinsam mit der Stadt Lösungen finden müssen. Und ich glaube nicht, dass es dafür die eine schnelle Antwort geben kann.

    Gleichzeitig werden wir stärker kooperieren, Synergien nutzen und unsere Abläufe immer wieder daraufhin überprüfen, wo wir besser und wirtschaftlicher werden können. Entscheidend ist für mich aber, dass wir dabei nicht aus den Augen verlieren, wofür dieses Haus da ist: für exzellente Kunst.

    Veränderungen werden und müssen deshalb dazugehören. Das empfinde ich keinesfalls als Belastung, sondern als Chance. Wir haben jetzt die Möglichkeit, Dinge neu zu denken und gemeinsam zu entscheiden, was für die Zukunft der Oper Leipzig wirklich wichtig ist.

    Und ich gehe sehr zuversichtlich in diese beiden Jahre. Denn ich kenne die Oper Leipzig und vor allem die Menschen, die hier arbeiten, inzwischen sehr gut. Ich weiß, mit welcher Professionalität, Leidenschaft und Kreativität in diesem Haus gearbeitet wird. Wir haben ein starkes Team – und genau deshalb bin ich überzeugt, dass wir die vor uns liegenden Herausforderungen gemeinsam meistern und zugleich Begeisterung für die ganze Vielfalt unseres Hauses wecken können: für Oper und Ballett, für die Musikalische Komödie und die Junge Oper Leipzig.