3 Fragen an Ivan Repušić

Der Generalmusikdirektor der Oper Leipzig im Interview
Oper Leipzig | Mittwoch 08.07.2026

Was verbinden Sie mit der Oper Leipzig?

Als Generalmusikdirektor ist dieses Haus für mich ein Ort der höchsten musikalischen Identität. Die Verbindung zwischen Graben und Bühne ist hier weltweit einzigartig. Wir haben das Gewandhausorchester im Graben: Das ist unser größtes Privileg. Einen Klangkörper dieser Güte als »Hausorchester« zu haben, bedeutet eine unvergleichliche Artikulationsfähigkeit und einen warmen, dunklen Streicherklang, der die stolze Leipziger Tradition – von Wagner bis Strauss – in jedem Takt atmet. Wir haben hier ein Ensemble der Extraklasse: Wir pflegen ein hochkarätiges Solistenensemble, das nicht nur stimmlich überzeugt, sondern auch bereit ist, tief in die psychologische Rollengestaltung einzutauchen. Wir haben die Strahlkraft unseres Chores: Unser Chor ist ein Kraftzentrum. Ob in der monumentalen Wucht der großen Oper oder in der feinen Nuancierung – die Qualität und Spielfreude dieses Ensembles sind tragende Säulen unserer Produktionen. Ich sehe hier Tradition als Innovationsmotor: Leipzig ist die Stadt Wagners, Schumanns, Mendelssohns und Bachs. Diese Tradition ist für mich kein Museum, sondern eine Verpflichtung, das Repertoire mit dem Geist der Gegenwart immer wieder neu zu befragen.

Als Generalmusikdirektor strebe ich eine harmonische Verknüpfung von musikalischer Qualität, dramaturgischer Klarheit und einer lebendigen, gemeinschaftlich getragenen Aufführungserfahrung an.

Ivan Repušić, Generalmusikdirektor der Oper Leipzig

Was macht gutes Musiktheater für Sie aus?

Gutes Musiktheater zeichnet sich für mich durch eine gelungene Verbindung aus Musik, Bühne und Inhalt aus. Es verbindet hervorragende musikalische Qualität mit einer sinnstiftenden, klaren Dramaturgie und einer lebendigen, gemeinsamen Aufführungserfahrung. Als Generalmusikdirektor strebe ich eine harmonische Verknüpfung von musikalischer Qualität, dramaturgischer Klarheit und einer lebendigen, gemeinschaftlich getragenen Aufführungserfahrung an.

Was bedeutet Leipzig als Musikstadt für Sie?

Leipzig ist für mich eine traditionsreiche, lebendige Musikstadt mit einem reichen Erbe. Ein großes Stück der Musikgeschichte hat sich in dieser Stadt abgespielt. Große Komponisten und Musiker lebten und wirkten hier. Dazu kommt die lange Reihe berühmter Gewandhauskapellmeister und Thomaskantoren. Die Oper, das Gewandhaus und der Thomanerchor sind dieser Tradition verpflichtet und führen diese weiter. Mit den Festivals der Musikstadt Leipzig wird dieses Erbe und diese besondere Tradition den Leipziger Bürgern und Gästen vor Augen konzentriert geführt. Das Bachfest führt Jahr für Jahr viele Menschen hier zusammen.
 

Dieses Erbe müssen und dürfen wir pflegen, bewahren und fortführen. Das macht die Arbeit hier in Leipzig zu etwas ganz Besonderem. Eine Stadt, in der Klassik, zeitgenössische Musik und freies Musizieren nah beieinanderstehen, mit inspirierenden Konzerten, kultureller Vielfalt und einer offen Musikkultur.

Ivan Repušić | © Kirsten Nijhof

Ivan Repušić übernahm mit der Spielzeit 2025/26 das Amt des Generalmusikdirektors der Oper Leipzig. Er ist Chefdirigent des Münchner Rundfunkorchesters, außerdem Erster ständiger Gastdirigent der Deutschen Oper Berlin sowie Chefdirigent der Staatskapelle Weimar. Nach Stationen u. a. als Chefdirigent und Operndirektor am kroatischen Nationaltheater in Split und als Chefdirigent des Zadar Chamber Orchestra wurde Repušić zur Spielzeit 2016/2017 Generalmusikdirektor der Staatsoper in Hannover. Bereits in der Spielzeit 2023/24 dirigierte er an der Oper Leipzig »Die Zauberflöte« und übernahm die Leitung der Wiederaufnahme »Otello« in der Spielzeit 2024/25.