»Wir brauchen viele Reginas in unserer Welt!«

Jacquelyn Wagner im Interview zur Partie der Regina
Dr. Inken Meents, Marie Poll | Mittwoch 15.04.2026
Jacquelyn Wagner
Jacquelyn Wagner | © Simon Pauly

Jacquelyn Wagner wird im Rahmen des Festivals »Lortzing 26« die Titelpartie in Albert Lortzings selten gespielter Oper »Regina« singen, die 1848 unter dem Einfluss der Revolution entstanden ist und von streikenden Arbeiterbewegungen handelt. Regina ist die Tochter eines Fabrikbesitzers und befindet sich mitten im Streikgeschehen: Sie wird von Stephan, dem radikalen Anführer einer streikenden Fraktion, entführt und stellt sich ihm mutig entgegen, bevor er in seinem Wahn Menschenleben aufs Spiel setzen kann. Wir haben Jacquelyn Wagner zu diesem besonderen Werk und ihrer Rolle befragt.

»Regina« gilt als eher ungewöhnliches Werk im Œuvre Albert Lortzings – politischer, leidenschaftlicher, ernster. Was reizt Sie an dieser Oper besonders?

»Regina« ist definitiv anders als das, was Lortzing normalerweise geschrieben hat. Sie ist voller Leidenschaft, tiefgründig und sehr bewegend. Lortzing verarbeitet darin die Ereignisse seiner Zeit – das spürt man in jeder Szene. Diese politische Dimension macht das Werk heute unglaublich aktuell.

Wie ist es denn für Sie, diese Oper gerade vor dem Hintergrund des heutigen Weltgeschehens auf die Bühne zu bringen?

Viele Dinge sind heute aus dem Gleichgewicht geraten. Gerade jetzt braucht es Kunst, die uns erlaubt, selbst in den Spiegel zu schauen und unsere gegenwärtige Situation zu reflektieren. »Regina« bietet genau diese Möglichkeit.

»›Regina‹ ist definitiv anders als das, was Lortzing normalerweise geschrieben hat. Sie ist voller Leidenschaft, tiefgründig und sehr bewegend.«

Wenn Sie die Titelfigur in einem Satz charakterisieren müssten – wie würde dieser lauten?

Regina ist stark und sie ist mutig.

Was macht diese Stärke konkret aus?

Regina ist eine unglaublich resiliente Frau. Sie erinnert mich an Leonore in Beethovens »Fidelio«. Sie trägt eine innere Kraft in sich, die es ihr ermöglicht, sich zu wehren und dem Bösen entgegenzutreten. Genau das macht sie so spannend.

Würden Sie im echten Leben ähnlich handeln wie sie bzw. steckt auch in Ihnen ein wenig Revolutionsgeist?

Glücklicherweise war ich noch nie in einer solchen Situation. Natürlich weiß niemand, wie man sich in Extremsituationen verhält. Aber ich glaube, dass ich in Reginas Situation ähnlich reagieren würde wie sie. Ich würde hoffentlich für meine Lieben eintreten und sie beschützen, selbst wenn das Selbstverteidigung bedeutete. Aber von Natur aus bin ich wahrscheinlich keine Revolutionärin – obwohl man nie weiß, was das Leben verlangt …

Die Figur des Stephan ist in dieser Oper radikaler. Würden Sie ihm gerne irgendeinen Rat geben?

Ehrlich gesagt, bin ich mir nicht sicher, ob Stephan überhaupt in der Lage ist, auf Ratschläge zu hören. Er wirkt vollkommen fixiert auf seinen Plan und sein eigenes Elend. Regina hat recht, wenn sie ihm sagt, dass er aufhören soll, sich selbst und anderen wehzutun. Aber er will ihr einfach nicht zuhören.

Wo verläuft für Sie die Grenze zwischen Selbstverteidigung und Gewalt?

Ich denke, das ist ein sehr schmaler Grat! Es ist eine Grenze, die heute in der Welt beinahe täglich diskutiert wird. Da eine pauschale Aussage zu treffen, ist schwer. Jede Situation hat ihre eigenen Regeln und Gesetze. Grundsätzlich sollten wir, denke ich, aber versuchen, unseren Nächsten wie uns selbst zu lieben und vor allem zu respektieren!

Haben Sie eigentlich schon einmal etwas von Albert Lortzing gesungen?

Nein, das ist tatsächlich meine erste Lortzing-Produktion.

Figurine zu »Regina« | © Alfred Mayerhofer

Wie erleben Sie seine Musik? Viele verbinden mit Lortzing eher Leichtigkeit und Spielfreude.

Ja, seine Musik ist oft unbeschwert und macht großen Spaß. Die Melodien sind wunderschön, viele Arien echte Klassiker – einfach wunderbar unterhaltsam. Gleichzeitig zeigt »Regina«, dass er auch intensive Emotionen und große Leidenschaft komponieren konnte.

Warum lohnt sich ein Besuch dieser Oper – auch für Menschen, die Lortzing vielleicht noch nicht kennen?

Lortzing wird nicht oft gespielt, dabei ist seine Musik äußerst zugänglich. Gerade diese Oper bietet fantastische Duette, Arien und sehr emotionale Ensembles. »Regina« wurde in ihrer Geschichte nur etwa ein Dutzend Mal aufgeführt – allein deshalb sollte man sich diese seltene Gelegenheit nicht entgehen lassen.

Worauf freuen Sie sich in dieser Produktion am meisten?

Auf die Chance, diese Oper überhaupt einmal singen zu dürfen! Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit meinen Kolleginnen und Kollegen, mit Maestro Trinks und auf die Inszenierung von Bernd Mottl – um gemeinsam eine wirklich bewegende Version auf die Bühne zu bringen.

Wenn Regina heute leben würde – wo würden wir ihr begegnen?

Ich glaube, eine Version von ihr könnte man überall auf der Welt treffen. Überall dort, wo Menschen gegen Unrecht aufstehen. Wir brauchen viele Reginas in unserer Welt!

    • Albert Lortzing
    • Premiere

    Regina

    Oper Sa. 25.04.2026 | 19:00 | Opernhaus

    Einführung 30 Min. vor Vorstellungsbeginn im Konzertfoyer. | im Rahmen von »LORTZING 26«

    • Albert Lortzing

    Regina

    Oper Sa. 02.05.2026 | 19:00 | Opernhaus

    Einführung 30 Min. vor Vorstellungsbeginn im Konzertfoyer. Mit Nachgespräch im Anschluss an die Vorstellung | im Rahmen von »LORTZING 26«

    • Albert Lortzing

    Regina

    Oper Mi. 13.05.2026 | 19:30 | Opernhaus

    Einführung 30 Min. vor Vorstellungsbeginn im Konzertfoyer

    • Albert Lortzing

    Regina

    Oper So. 17.05.2026 | 17:00 | Opernhaus

    Einführung 30 Min. vor Vorstellungsbeginn im Konzertfoyer

    • Albert Lortzing

    Regina

    Oper Fr. 12.06.2026 | 19:30 | Opernhaus

    Einführung 30 Min. vor Vorstellungsbeginn im Konzertfoyer