»Ich habe lange auf Lortzing gewartet«

Constantin Trinks dirigiert Albert Lortzings Freiheitsoper »Regina« im Rahmen des Festivals »Lortzing 26«.
Dr. Inken Meents | Friday 10.04.2026
Constantin Trinks
Constantin Trinks | © Marco Borggreve

Constantin Trinks stand bereits mehrfach am Pult der Oper Leipzig. Nun dirigiert er Albert Lortzings spektakuläre Freiheitsoper »Regina« im Rahmen des Festivals »Lortzing 26«. Er ist schon lange ein Fan von Lortzings Musik, hatte bisher jedoch nie die Möglichkeit, sie selbst zu dirigieren. Nun ist der Moment endlich gekommen! Constantin Trinks erzählt von seinen Erfahrungen mit Lortzing und verrät, was seine Musik und die Oper »Regina« so besonders macht.

Was war dein erster Kontakt mit Albert Lortzing?

»Regina« ist komischerweise das erste Lortzing-Werk, das ich dirigiere. Aber ich liebe ihn schon seit frühester Kindheit. Die allererste Oper, die ich gesehen habe, war nicht »Hänsel und Gretel«, nicht »Die Zauberflöte«, sondern tatsächlich Lortzings »Wildschütz«. Ich war sehr begeistert und wollte unbedingt gleich nochmal reingehen. Das hat Eindruck gemacht und noch immer habe ich bestimmte Bilder vor meinem Auge. Und dann war die erste Oper, die ich korrepetiert habe, »Zar und Zimmermann«. Insofern hat Lortzing mich immer begleitet und es ist schon lange mein Wunsch, seine Werke auch zu dirigieren. Ich habe also lange auf Lortzing gewartet, aber natürlich sehr viel Musik aus der Zeit dirigiert, den frühen Richard Wagner, Carl Maria von Weber oder Heinrich Marschner, auch viel Mendelssohn und Schumann. Das Musiktheater dieser Zeit steht mir sehr nahe und ganz grundsätzlich trifft mich die musikalische Sprache der Romantiker ins Herz.

Welchen Stellenwert hat Lortzing heute in der Musikwelt?

Meiner Meinung nach wird er sträflich unterschätzt und heute viel zu wenig gespielt. Und wenn man ihn aufs Programm setzt, dann versucht man manchmal, sich quasi zu »entschuldigen« oder irgendwas zu finden, was gar nicht drin ist. Seine Opern sind immer sehr einfallsreich, sowohl musikalisch als auch dramaturgisch. Und sehr anspruchsvoll, auch für uns Ausführende – überhaupt nicht oberflächlich oder nur »leichte Muse«. Sie sind meisterhaft konzipiert und durchgeführt und haben auch immer wirklich geniale Stellen. Ich verstehe gar nicht, warum man ihn häufig als bieder oder oberflächlich bezeichnet. Bei »Regina« kommt hoffentlich keiner auf die Idee, weil das so politisch und drastisch ist.

»Ich staune immer wieder, wie leicht man darüber hinwegsehen kann, wie gut die Musik ist.«

Wodurch zeichnen sich Lortzings Musik und seine große Freiheitsoper »Regina« aus?

Vor allem Lortzings Chor- und Ensemblesätze sind beeindruckend, in denen er zuweilen Mozart’sche Qualität erreicht. Wir haben in »Regina« große Massenszenen, dazwischen aber auch intime Ariosi, Duette und ein wirklich bezauberndes Quartett. Die sind alle meisterhaft komponiert und auch dramaturgisch sehr klug aufgebaut mit wirkungsvollen Steigerungsbögen. Ich staune immer wieder, wie leicht man darüber hinwegsehen kann, wie gut die Musik ist. Manch anderer große Komponist tat sich schwerer im Ensemble-Schreiben, beispielsweise Ludwig van Beethoven. Lortzing ist da deutlich besser, sowohl wie es für die Stimme geschrieben ist als auch wie die Stimmen untereinander geführt sind. Hier die richtige Klangbalance zu erzielen, ist am Ende auch eine wichtige Aufgabe des Dirigenten. Außerdem ist das Orchester sehr farbig instrumentiert. Wir haben zum Beispiel geteilte Violinen, aber auch sehr individuell eingesetzte Holzbläser sowie häufig solistisch geführte Violoncelli, was eher ungewöhnlich ist. Es gibt einen sehr umfangreichen Chorpart. Der Chor muss zwei große Gruppen bedienen: die Arbeiter und die radikalen Freischärler.

Constantin Trinks | © Marco Borggreve

Im Fokus der Oper stehen vor allem die Titelheldin Regina und Stephan, der radikale Anführer dieser Freischärler. Wie setzt Lortzing die Figuren um?

Es ist toll, so eine starke Frauenfigur im Zentrum zu haben. Sie hat ihre lyrischen Momente, aber auch sehr dramatische und das macht die Partie – wie auch die anderen Hauptpartien – sehr anspruchsvoll zu singen. Stephan ist, sage ich mal, der zerrissenste Charakter. Er hat auch einen guten Kern, der immer wieder durchscheint. Ich finde ihn eigentlich die spannendste Rolle im Stück, auch musikalisch: Die einzige richtige Arie in dieser Oper hat er, nicht die Titelrolle! Interessant ist, dass es seit »Don Giovanni« Opern gibt, in der die zentrale männliche Figur eben nicht von einem Tenor, sondern von einem Bariton verkörpert wird. Und das sind immer Außenseiterfiguren wie zum Beispiel Marschners Hans Heiling und der »Vampyr«, Wagners Holländer, später dann auch der Wozzeck und hier eben Stephan.

Lortzings Werke, besonders die Spielopern wie »Zar und Zimmermann« oder »Der Waffenschmied«, sind geprägt von einer besonderen Mischung aus Komik und Ernst. Gibt es das auch in »Regina«? 

Es ist schon immer eine Prise Humor dabei. Wir haben hier so eine Art Buffo-Paar: Kilian und Beate. Das Lied des Kilian, währenddessen er den Chor der Freischärler mehr und mehr betrunken macht, um Regina zur Flucht zu verhelfen, das ist schon sehr amüsant. Eine meiner Lieblingsstellen: Das Quartett im zweiten Finale, wo Kilian seinen Plan mit den K.O.-Tropfen schildert und dann dazu das ernste Gebet »Gott, lass unseren Plan gelingen«. Ungewöhnlich geschrieben für drei Frauenstimmen und Tenor. Dazu fällt mir nichts Vergleichbares ein, auch nicht bei Mozart. Und es ist ein sehr magischer Moment, in dem wirklich die Zeit stillsteht. Dazu sehr stimmungsvoll instrumentiert mit vierfach geteilten Violinen, ein kurzer sphärischer Moment, so wie wir es vom »Lohengrin« her kennen. Obwohl ja Richard Wagner, der diese Oper genau zur gleichen Zeit komponiert hat, an Lortzing scheinbar komplett vorbeigegangen ist. Aber wenn man sich das musikgeschichtlich anschaut, war die Zeit wohl einfach noch nicht so weit, um Wagners Kühnheiten wirklich rezipieren zu können. Die Stücke Wagners waren damals zunächst in der Regel noch Misserfolge – anders als die Werke von Lortzing.

Heute wird es eher andersherum gewertet …

Ja, wie gesagt: sträflich unterschätzt, der Lortzing. Und das leider auch hier in Leipzig. Gut, dass die Oper Leipzig das anders sieht. 

Wir arbeiten weiter dran. Vielleicht hilft das Festival dagegen!

    • Albert Lortzing
    • Premiere

    Regina

    Oper Sat 25.04.2026 | 19:00 | Opernhaus

    as part of »LORTZING 26«

    • Albert Lortzing

    Regina

    Oper Sat 02.05.2026 | 19:00 | Opernhaus

    as part of »LORTZING 26«

    • Albert Lortzing

    Regina

    Oper Wed 13.05.2026 | 19:30 | Opernhaus

    Einführung 30 Min. vor Vorstellungsbeginn im Konzertfoyer

    • Albert Lortzing

    Regina

    Oper Sun 17.05.2026 | 17:00 | Opernhaus

    Einführung 30 Min. vor Vorstellungsbeginn im Konzertfoyer

    • Albert Lortzing

    Regina

    Oper Fri 12.06.2026 | 19:30 | Opernhaus

    Einführung 30 Min. vor Vorstellungsbeginn im Konzertfoyer