MEIN SCHÖNSTES WINTER-ERLEBNIS

Ansgar Weigner, Regisseur der Neuproduktion »MIT VERSPÄTUNG INS GLÜCK - EINE WINTERREVUE«
Friday 26.08.22
Ansgar Weigner
Ansgar Weigner

Der Winter war für mich schon als Kind die liebste Jahreszeit und ist sie auch bis heute geblieben. Da ich bereits sehr früh Klavier- und Orgelunterricht erhielt, begleite ich bis heute immer die Christmette in meiner Heimatpfarrei an der Orgel und es gibt für mich nichts Schöneres, als am Ende der Messe ganz leise „Stille Nacht heilige Nacht“ zu intonieren. Neben dieser liebgewonnen, alljährlich-wiederkehrenden Tradition hat sich mir ein besonderes Ereignis ins Gedächtnis gebrannt, das für mich den Winter ganz besonders macht und mir an meinem 35. Geburtstag geschenkt wurde. Damals haben mich Freunde aus der Schweiz eingeladen, Silvester auf der Bettmer-Alm gegenüber vom Matterhorn in einem Chalet gemeinsam mit ihnen zu verbringen. Ich war damals am Staatstheater Wiesbaden engagiert, hatte am 29.12. noch eine Zauberflöten-Umbesetzung zu leiten und stieg nach getaner Arbeit in den Zug nach Basel und dann weiter Richtung Bern. Als ich mit einer Zahnradbahn endlich gegen 22 Uhr an der Talstation der Bettmer-Alm ankam, erwischte ich gerade die letzte Kabine, in der ich dann alleine die Bergfahrt antrat. Es lag meterhoch Schnee, der Mond schien unglaublich hell und die Schneedecke glitzerte silbern. Die Häuser der Bettmer-Alm waren mit warmem Glühbirnen-Licht hell erleuchtet, was einen zauberhaften Kontrapunkt zum silbrig-kalten Mondlicht bildete. Als ich ausstieg hörte ich rein gar nichts, da der Schnee alle Obertöne abfing und man das Gefühl hatte, in Watte gepackt zu sein. Kurze Zeit später erreichte ich die Hütte meiner Freunde, ein Feuer brannte im Kamin, ich wurde mit Geschenken begrüßt und der Abend endete sehr spät und feucht-fröhlich. Auf den Weg gemacht hatte ich mich im lauten nachweihnachtlichen Arbeits-Stress einer deutschen Großstadt und mein Ziel erreichte ich auf einer verschneiten stillen Schweizer Alm. Eine Reise von außen nach innen, vom Chaos in die Konzentration, von der Realität in ein verschneites fremdes Land. Weit weg von meinem Arbeitsplatz hatte ich auf einmal das Gefühl, viel näher bei mir selber zu sein. Das ist ein Gefühl, das ich nie vergessen werde und das mich sehr geprägt hat.