Leipziger Ballett

Beständigkeit

Roman Slomski ist der Erste Ballettmeister des Leipziger Ballett. Mit Mario Schröder verbindet ihn eine lange Zusammenarbeit.

von Anna Diepold Freitag 23.04.2021

Seit vielen Jahren arbeitet Roman Slomski an der Seite von Mario Schröder. Im Rahmen des Jubiläums #marioschröder10 gewährt der Erste Ballettmeister des Leipziger Ballett einen Einblick in seine Arbeit und erinnert sich an die Anfänge seiner Zusammenarbeit mit Ballettdirektor und Chefchoreograf Mario Schröder.

Die Arbeit eines Ballettmeisters

»Der Start meines Arbeitstags ist das tägliche Training der Company. Den Ablauf der Klasse passe ich jeweils an die Zusammensetzung der Gruppen an: Ich integriere beispielsweise mehr Sprünge oder ein passendes Training für die Arbeit auf Spitze – je nachdem mit wem ich an diesem Tag arbeite.

Im Anschluss begleite ich die Proben, die für den Tag angesetzt sind und in »normalen« Zeiten kommen natürlich noch die Vorstellungen am Abend hinzu.
Aktuell bekommen wir viele Bewerbungen für die Company als Videoaudition. Das heißt, ich nutze viele meiner Pausen, um die Videos der Bewerber*innen zu sichten und eine Auswahl zu treffen.

Mit Mario bin ich zu jedem meiner Arbeitsbereiche in engem Austausch. Wir erstellen gemeinsam die Besetzungen, kümmern uns um organisatorische Planungen und beraten uns, wenn es um das Engagieren von neuen Tänzerinnen und Tänzern geht.«

Roman Slomski während einer Probe.  © Ida Zenna
Roman Slomski während einer Probe. © Ida Zenna

Ein folgenreicher Zufall

»Ich habe Mario 1999 in Würzburg kennengelernt. Dass wir jetzt miteinander arbeiten, war purer Zufall. Damals wollte ich meine Tanzkarriere langsam beenden und war noch für ein Jahr in Würzburg als Solist engagiert. Es stand schon fest, dass in der kommenden Spielzeit ein neuer Ballettdirektor seine Arbeit beginnen würde – das war Mario. Er kam zu uns, um das Ensemble kennenzulernen. Meine damaligen Kolleginnen und Kollegen haben mich gefragt, ob ich nicht das Training an diesem Tag anleiten würde und das habe ich dann auch gemacht. Mario hat zugesehen und mir eine Stelle als Ballettmeister angeboten – obwohl wir uns bis dahin noch gar nicht kannten. Ich weiß nicht, ob das Zufall oder Schicksal war, aber wir arbeiten jetzt seit 22 Jahren miteinander. Würzburg war Marios erste Stelle als Ballettdirektor und meine erste Stelle als Ballettmeister. Wir sind sozusagen das originale Duo und sind nach der Zeit in Würzburg zusammen nach Kiel gegangen und schließlich, vor zehn Jahren, nach Leipzig.«

Roman Slomski und Mario Schröder. © Ida Zenna
Roman Slomski und Mario Schröder. © Ida Zenna

Eine lange Zeit und wachsendes Vertrauen

»Diese 22 Jahre, die Mario und ich jetzt schon zusammenarbeiten, sind wie eine Beziehung. Mario ist mein Arbeitslebenspartner und natürlich gibt es da mal gute und mal nicht so gute Phasen. Über die Jahre hat sich unsere Zusammenarbeit sehr verändert, das Vertrauen ist stetig gewachsen. Besonders was die Probenleitung angeht. Mario choreografiert und überlässt mir große Teile der »Putzarbeit«, also die Phasen, in denen intensiv wiederholt und ganz genau auf Einheitlichkeit geachtet wird. Und natürlich verändere ich die Choreografie nicht, aber ich habe ein Gespür für gewisse Nuancen, die Mario haben möchte und kann das auf die einzelnen Tänzer*innen gut anpassen. Das sind minimale Eingriffe im Prozess, die Mario mir anvertraut.
Dieses Vertrauen zeigt sich besonders, wenn ich Stücke von Mario mit anderen Ensembles einstudiere. Wir starten den Prozess gemeinsam und erarbeiten die Besetzung. Da sind wir uns nicht immer einig, so etwas ist ja nicht nur eine Frage von Technik, sondern auch eine Frage des persönlichen Geschmacks. Aber da halte ich mich zurück. Schlussendlich ist es Marios Stück und wenn er einen Tänzer oder eine Tänzerin für eine Rolle bevorzugt, werde ich das nicht verhindern.
Wenn die Besetzung dann steht, kümmere ich mich um die weitere Einstudierung. Wir sind weiterhin miteinander in Austausch und ich halte ihn natürlich auf dem Laufenden, aber Mario vertraut mir, sodass er mich mit seinen Stücken auch alleine lassen kann.«

Liebste Erinnerungen

Erinnerungen an Mario Schröders "Chaplin". © Ida Zenna
Erinnerungen an Mario Schröders "Chaplin". © Ida Zenna

»Chaplin« ist für mich etwas ganz Besonderes. Wir haben es mit vielen unterschiedlichen Ensembles auf der ganzen Welt einstudiert und es war das Stück, mit dem wir unsere Zeit in Leipzig begonnen haben. »Chaplin« ist mir so nah, so vertraut, man könnte mich nachts um 2 Uhr wecken und ich könnte die Choreografie einstudieren. Durch Corona konnten wir die geplante Wiederaufnahme von »Chaplin« bisher nicht realisieren. Ich hatte mich schon sehr darauf gefreut und hoffe, dass es die Lage bald zulässt, dass wir »Chaplin« wieder auf die Bühne bringen können.
Aber auch die Stücke, die für die Musik von Johann Sebastian Bach entstanden sind, die so eng mit Leipzig verknüpft sind, liegen mir sehr am Herzen. Das ist eine enge Verbindung mit der Stadt, die ich sehr schätze.«