Musikalische Komödie im Westbad

5 Fragen an: Anke Fiedler und Friedrich Rau

Die Musicalstars über »Kuss der Spinnenfrau«

von Elisabeth Kühne Mittwoch 22.01.2020
Gaines Hall, Friedrich Rau und Anke Fiedler bei den Proben zu »Kuss der Spinnenfrau«
Zurzeit laufen die Proben für »Kuss der Spinnenfrau«, das neue Musical an der Musikalischen Komödie im Westbad, auf Hochtouren. In einer der Pausen haben wir die beiden Hauptdarsteller Anke Fiedler und Friedrich Rau für ein kurzes Interview abgepasst.
Kürzlich wurden Sie vom Musical-Magazin Da Capo zur besten Hauptdarstellerin bzw. zum besten Darsteller 2019 gekürt. Was bedeutet Ihnen so eine Auszeichnung?

Anke Fiedler: Für mich ist das eine sehr persönliche Auszeichnung, weil sie vom Publikum kommt und nicht nur von Insidern, von Theatermachern oder Kritikern. Es zeigt mir, dass der Funke überspringt und die Zuschauer meine Arbeit wertschätzten.

Friedrich Rau: Ich war total überrascht und habe mich wahnsinnig gefreut! Aber fast wichtiger als solche Ehrungen entgegenzunehmen, ist es für mich spannende Rollen zu spielen, die mich künstlerisch fordern. Und das ist bei »Kuss der Spinnenfrau« der Fall – ein Stück mit Botschaft und Tiefe, sehr herausfordernd – sowohl sängerisch als auch schauspielerisch.

Wie sind Sie eigentlich zum Musical gekommen?

Friedrich Rau: Durch meinen Vater. Er ist Chorsänger in Zwickau, daher kannte ich die Theaterwelt schon ein wenig. Aber das Musical war eher ein stiller Traum. Ich habe mir das lange Zeit nicht zugetraut. So habe ich erst einmal etwas Vernünftiges gemacht und Schulmusik studiert. Die Initialzündung kam dann erst nach dem Studium, als ich bei der Castingshow »Ich Tarzan, du Jane!« den dritten Platz belegte. Und das öffnete mir dann die Tür...

Anke Fiedler: Mit dem Musical war ich ursprünglich überhaupt nicht vertraut. Aber ich habe schon mit neun Jahren angefangen, Theater zu spielen, und ich habe immer getanzt. Eigentlich wollte ich mich an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover bewerben, doch dann haben mich meine Kollegen aus der Ballettschule überzeugt, in Berlin an der UdK für den Studiengang »Musical/Show« vorzusprechen – dabei hatte ich bis dahin noch gar nicht viel gesungen. Und tatsächlich wurde ich aufgenommen! Als ich am Ende meines Studiums auch noch meine Band gefunden hatte, war klar, dass Singen meine Leidenschaft ist. Mein erstes Musical war übrigens »Chicago« mit Cusch Jung und Melissa King – es ist also ein tolles Wiedersehen hier!
Friedrich Rau © Ralf Rühmeier
Friedrich Rau © Ralf Rühmeier

Das Musical war eher ein stiller Traum.

Friedrich Rau
Wie würden Sie Ihre Charaktere in »Kuss der Spinnenfrau« beschreiben?

Anke Fiedler: Ich spiele Aurora, eine Hollywood-Filmdarstellerin. Molina (Gaines Hall), einer der Insassen des Gefängnisses, vergöttert sie, er hat schon als Kind immer ihre Filme geschaut – wunderschöne Liebesfilme und Komödien. Doch in einer ihrer Rollen verkörpert sie die Spinnenfrau, die den Menschen den Tod bringt. Einerseits ist sie also ein positiver Engel, ganz hell und freundlich, und andererseits ist sie als Spinnenfrau auch ein Todesengel, gefürchtet und unheimlich.

Friedrich Rau: Valentin ist ein großer Idealist, der die Welt verändern möchte. Er ist bereit, sein Leben zu investieren für eine Idee, die Idee der Freiheit und der sozialen Revolution. Auch im Gefängnis bleibt er diesen Idealen treu, aber sein Zellengenosse Molina und dessen Traumwelt verändern ihn und seine Weltanschauung mit der Zeit. Er entdeckt plötzlich eine Gefühlswelt in sich, die er so noch nicht kannte. Am Ende ist er sogar bereit, seine Ideale aufzugeben, für die Freundschaft und Liebe zu Molina.
Anke Fiedler © Fabian Hensel Photography
Anke Fiedler © Fabian Hensel Photography

Es ist so toll, einen Beruf zu haben, bei dem man sich in Traumwelten flüchten kann.

Anke Fiedler
Was ist die größte Herausforderung an Ihrer Partie?

Friedrich Rau: Ich wurde oft besetzt für junge Helden, für Gutmenschen, die gegen das Böse kämpfen und am Ende gewinnen. Das ist in »Kuss der Spinnenfrau« ganz anders: Valentin ist sehr rau, brachial in seinen Ansichten und seinen Äußerungen. Es ist eine Herausforderung für mich, in mir auf die Suche nach diesem lauten, kompromisslosen, teilweise intoleranten und egoistischen Charakter zu gehen. Hier singe ich keine Schmuseballade, sondern mit voller Energie und Kraft und Überzeugung. Das ist auch sängerisch sehr spannend.

Anke Fiedler: Meine größte Herausforderung ist es, mit dem fantastischen Ballett zu tanzen und gleichzeitig zu singen. Ständig muss man sich an neue Rhythmen anpassen, mal Mambo, mal Salsa. Aber da ich ja schon immer viel getanzt habe, macht das auch wahnsinnig viel Spaß. Und ich spiele eine Doppelrolle, bei der ich sängerisch und schauspielerisch ständig switchen muss.

Im Musical flüchtet sich Molina aus dem Gefängnis in eine Welt der Fantasie, des Kinos und der Träume, personifiziert in Aurora. Nach anfänglicher Skepsis folgt Valentin ihm. Haben Sie sich auch schon einmal an einen anderen Ort geträumt?

Friedrich Rau: Ehrlich gesagt, fühle ich mich auf der Bühne mitunter freier als im realen Leben. Das, was mir in der realen Welt manchmal fehlt, kann ich auf der Bühne ausleben.

Anke Fiedler: Mir geht es da wie Friedrich. Es ist so toll, einen Beruf zu haben, bei dem man sich in Traumwelten flüchten kann. Ich brauche keine Rollenspiele auf dem Computer, weil ich das alles auf der Bühne erleben kann. Da kann ich mich selbst verlassen und jemand anderes sein.

Video der Woche zu »Kuss der Spinnenfrau«