Musikalische Komödie

Zwischen Lust und List

Wie Madame Pompadour zur mächtigsten Frau Frankreichs aufstieg

von Elisabeth Kühne Tuesday 23.04.2019
Madame de Pompadour, Gemälde von François Boucher, 1756, zu besichtigen in der Alten Pinakothek in München

Schon im Alter von neun Jahren wurde Jeanne-Antoinette Poisson von einer Wahrsagerin ihr außergewöhnliches Schicksal vorausgesagt: Eines Tages werde sie die Geliebte des Königs von Frankreich. Tatsächlich sollte sie 1745 als erste Bürgerliche von König Ludwig XV. in den Rang seiner offiziellen Mätresse erhoben werden und anschließend als Madame de Pompadour fast zwanzig Jahre lang die Geschicke Frankreichs bestimmen.

Ein Harem für den König

Der Weg hin zur Spitze der Macht war jedoch alles andere als einfach: Schließlich war es nicht leicht, die Aufmerksamkeit des Königs zu erregen. Nachdem Jeanne-Antoinette zunächst erfolglos versucht hatte, sich dem König bei der Jagd zu nähern, gelang es ihr letztlich auf einem Maskenball in Versailles die Gunst Ludwig XV. zu gewinnen. Die ganze Nacht soll die schöne Unbekannte mit dem als Eibe verkleideten König getanzt haben und sich anschließend mit ihm inkognito bei einem weiteren Maskenfest in Paris vergnügt haben. Umgehend erhob Ludwig XV. seine neue Geliebte zur »maîtresse en titre« und verlieh ihr den Titel Marquise de Pompadour. Im Gegensatz zu ihren adligen Vorgängerinnen war sich die Pompadour jedoch einer Tatsache bewusst: Schwieriger als an die Seite des Königs zu gelangen, war es  dort auch zu bleiben. So setzte sie alles daran, nicht nur die Leidenschaft, sondern auch die Freundschaft und das Vertrauen Ludwig XV. zu gewinnen. Dank ihres diplomatischen Geschicks stieg sie zur einflussreichsten Persönlichkeit bei Hof auf – selbst nachdem das erotische Interesse des Königs an ihr erloschen war. Um seine Majestät weiterhin zu unterhalten, richtete sie ihm – frei nach dem Motto »Angriff ist die beste Verteidigung« – im Hirschpark einen eigenen Harem junger Schönheiten ein, die unbedeutend genug waren, ihre Stellung als Favoritin nicht zu gefährden, und wurde so zur Organisatorin des königlichen Liebeslebens.

Nach uns die Sintflut

Vieles haben wir dem Wirken von Madame Pompadour zu verdanken: Als Mäzenin unterstützte sie nicht nur die französischen Aufklärer Voltaire, Diderot und Rousseau, sondern förderte auch die französischen Künste. Sie schenkte dem Land den Élysée-Palast und den Place de la Concorde, die königliche Porzellan-Manufaktur und nicht zuletzt die »Frisur à la Pompadour«. Ihre Bauvorhaben kosteten die Staatskasse Millionen. Als der ohnehin ruinierte Haushalt durch den Siebenjährigen Krieg mit England noch mehr belastet wurde, wuchs die Unzufriedenheit im Volk. Die Schuldige war schnell gefunden: Madame Pompadour galt mit ihrer Verschwendungslust als Inbegriff der moralisch verkommenen Monarchie. Auch ihren Ausspruch »Nach uns die Sintflut!« vergaß man ihr nicht so schnell. Und doch: Keine andere Mätresse sollte dank ihrer Schönheit und vor allem ihres Verstandes die Macht der Pompadour erreichen. Im Alter von gerade einmal 42 Jahren starb sie am 15. April 1764 an einer Lungenkrankheit. Sie sollte die einzige Mätresse sein, die je von Versailles aus zu Grabe getragen wurde. Über 150 Jahre später setzte Operettenkomponist Leo Fall der großen Verführerin und gewitzten Politikerin 1922 in seinem wohl erfolgreichsten Bühnenwerk »Madame Pompadour« ein frivol-unterhaltsames Denkmal, dessen musikalische Erotik ab dem 1. Juni 2019 an der Musikalischen Komödie zu erleben ist. Die Proben unter Regisseur Klaus Seiffert haben heute begonnen.

Madame de Pompadour

Im Alter von 36 Jahren an ihrem Frisiertisch, François Boucher, 1758