Oper

Wagneriana

Wagners Kammermusik in zwei Konzerten

von Elisabeth Kühne Wednesday 29.06.2022
Im Konzertfoyer des Opernhauses finden die »Wagneriana«-Konzerte statt.

Richard Wagner war zweifelsohne ein Meister der musikdramatischen Großform. Seine dreizehn Bühnenwerke, die im weltweit einzigartigen Festival Wagner 22 an der Oper Leipzig zur Aufführung gebracht werden, überstrahlen dabei in ihren gigantischen Ausmaßen und ihrer musikalisch-dramaturgischen Komplexität klar sein kammermusikalisches Œuvre. Grund genug für die Oper Leipzig in zwei »Wagneriana«-Konzerten auch auf den Spuren des »kleinen« Wagner zu wandeln und dessen pianistisches Werk sowie das komplette Liedschaffen Wagners zu präsentieren.

Das Klavier spielte in Wagners Kompositionsprozess eine entscheidende Rolle: Wagner hat seine Opern am Klavier komponiert und spielte sie im Familien- bzw. Bekanntenkreis auf dem Klavier vor. Doch so sehr Wagner das Klavier als »Gebrauchsinstrument« nutzte, so wenig komponierte er für das Tasteninstrument: insgesamt nicht einmal zweieinhalb Stunden Musik, meist aus früheren Schaffensphasen.

»Am interessantesten sind die Gelegenheitswerke: Hier ist Wagners musikalische Sprache deutlicher herauszuhören, insbesondere in den kurzen ›Albumblättern‹, die er an seine Freunde und Gönner – genauer gesagt Gönnerinnen – adressierte.«

Ugo D’Orazio, Pianist und Studienleiter der Oper Leipzig

Mag der Ertrag von Wagners pianistischem Schaffen auch bescheiden ausfallen, lösten seine Opern in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts jedoch eine wahre Flut von Paraphrasen und Parodien aus, die neben Wagners eigenem Klavierwerk im Mittelpunkt des ersten Wagneriana-Konzerts standen. Am bekanntesten sind hier wohl die Bearbeitungen von Franz Liszt, der ab 1870 auch Wagners Schwiegervater sein sollte. Insbesondere Liszts »Konzertparaphrasen« erlangten mit ihrer Virtuosität große Popularität. Unter den Komponisten, denen Wagners Musik Inspirationsquelle war, ist auch der Pianist und Dirigent Eduard Schütt. Als großer Wagner-Verehrer war Schütt selbst sechzehn Jahre lang Leiter des Wiener Akademischen Wagner-Vereins. Das Besondere an Schütts Wagner-Bearbeitungen tritt schon im Titel auf: Er nennt sie nicht »Paraphrasen« oder »Variationen«, sondern »Improvisationen«. Wagners Motive werden von ihm nicht nur für das Klaviers adaptiert oder mit virtuosem Beiwerk geschmückt, sondern regelrecht weitergeführt. Eine amüsante Art der pianistischen Auseinandersetzung stellten schließlich die Parodien auf Wagners Werk dar. Eine der inspiriertesten ist sicherlich Emmanuel Chabriers vierhändiges Stück »Souvenirs de Munich«, in denen der Komponist – eigentlich ein Bewunderer Wagners – über Themen von »Tristan und Isolde« eine Quadrille ganz im Stile Offenbachs schuf.

Ugo d'Orazio am Flügel im ersten Teil von »Wagneriana«
Ugo d'Orazio am Flügel im ersten Teil von »Wagneriana«

Im Zentrum des zweiten Wagneriana-Konzerts steht das Liedschaffen Richard Wagners. Anfang 1831, also noch in Wagners Leipziger Studentenzeit, entstanden seine frühen »Sieben Kompositionen zu Goethes >Faust<. Die Goethe-Vertonung des gerade einmal 18-jährigen Wagner zählen damit zu seinen ersten Kompositionen, noch bevor er seinen Unterricht in Tonsatz und Kontrapunkt beim Thomaskantor Weinling nahm. Mit seinen französischen Liedvertonung aus den Jahren 1839/40, die er einigen renommierten Sängerinnen und Sängern für ihr Konzertrepertoire anbot, versuchte Wagner als Komponist in Paris Fuß zu fassen – ein vergebliches Unterfangen. Die dritte und bekannteste Gruppe aus Wagners Liedschaffen stellen schließlich die »Wesendock-Lieder« dar, die Wagner 1857/58 über die Verse seiner Geliebten und Muse Mathilde Wesendonck komponierte. Der hochromantische Liedzyklus sollte Wagner als Studie zu seiner Oper »Tristan und Isolde« diesen, mit der er während dieser Zeit befasst war.

»Spannend ist, mit welchem Ehrgeiz Richard Wagner in seinen Liedern die verschiedensten Stile ausprobiert hat. Während er in den Goethe-Vertonungen einen volksliedhaften Ton kreierte – ohne sich aber an den üblichen Vorbilden zu orientieren –, ahmen die französischen Lieder den Musikgeschmack der französischen Romanzen oder wie in ›Adieux de Marie Stuart‹ die Grand Opéra nach – das ist kein Lied, das ist eigentlich eine Arie! So richtig nach Wagner klingen dann erst seine ›Wesendonck-Lieder‹.«

Magdalena Hinterdobler, Sopranistin und Ensemblemitglied der Oper Leipzig

Begleitet von Pianist Ugo D’Orazio präsentieren die Ensemblemitglieder der Oper Leipzig Magdalena Hinterdobler, Christiane Döcker, Matthias Stier, Alvaro Zambrano, Jonathan Michie und Sejong Chang damit eine einzigartige Gesamtschau des Liedschaffens Richard Wagners.