Musikalische Komödie im Westbad

(Um)Zugvögel

Was der MuKo-Umzug mit dem neuen »Vogelhändler« zu tun hat

von Christian Geltinger Friday 01.11.2019
Das zentrale Bühnenbild-Element in der »Vogelhändler«-Inszenierung von Rainer Holzapfel: ein Umzugskarton © Tom Schulze
Rainer Holzapfel bringt Carl Zellers Operette »Der Vogelhändler« an der Musikalischen Komödie im Westbad auf die Bühne. In seiner Inszenierung stellt er auf intelligente Weise eine Verbindung zwischen der Handlung des Stücks und dem Umzug der Musikalischen Komödie ins Westbad her.
Ein Kurzinterview.
Was macht Ihrer Meinung nach eine gute Operette aus?

Starke, griffige Charaktere mit einem großen Sympathiepotential sind das A und O einer guten Operette. Man muss auch die vordergründig weniger korrekt agierenden Figuren wie den intrigierenden Baron Weps lieben können. Darüber hinaus muss die Handlung für mich auch heute noch nachvollziehbar sein, auch wenn sie in einem fernen Märchenreich oder in längst vergangenen Zeiten angesiedelt ist. Die meisten Operetten haben doch sehr viel mit Situationen zu tun, die unmittelbar aus dem Leben gegriffen sind. Und natürlich ist die Qualität der Musik ein wichtiges Kriterium, das sich bei der Operette nicht zuletzt an der Eingängigkeit der Melodien misst. Sie müssen Wiedererkennungswert haben.

Wie versucht Ihre Inszenierung des »Vogelhändlers« auf den speziellen Aufführungsort Bezug zu nehmen?

Die Ausstatterin Beate Zoff und ich hatten lange darüber nachgedacht, wie man ein Bild für die beiden Welten findet, die im Stück angelegt sind, den Adel und die Dorfgesellschaft. Als wir uns dann die Situation des Umzugs der Musikalischen Komödie ins Westbad vor Augen geführt haben, wurde uns klar, dass hier ja auch zwei Welten aufeinanderprallen. Also haben wir das einfach mit thematisiert. Das Personal des Westbad steht für die Dorfgesellschaft, die von der Welt des Theaters, die ja manchmal auch etwas sehr selbstbezogenes haben kann, eindringt. Außerdem haben das Drunter und Drüber, das bei so einem Umzug entsteht, und die damit verbundenen Befindlichkeiten ja auch manchmal sehr viel mit dem Theaterbetrieb zu tun.

Der Umzug der MuKo im Zeitraffer

Was kann uns das Stück heute noch erzählen?

Im Originalbuch gibt es das Bild der Menagerie, zu dessen Inspektor Adam gemacht werden soll. Dieses Bild steht für die Domestizierung des Wilden. Auf das Paar Adam und Christel heruntergebrochen bedeutet das, dass hier zwei unterschiedliche Lebenskonzepte aufeinanderprallen: Christel, die ein sesshaftes Leben führen, heiraten und eine Familie gründen will, Adam, der Weltenbummler, der seine Freiheit liebt, auch im sexuellen Bereich. Solche Konstellationen sind aktueller denn je. Und das ist für mich auch der Kern dieser Geschichte.

Das ganze Interview können Sie im Programmheft lesen, das ab der Premiere erhältlich ist.