Junge Oper Leipzig

Schnee in Istanbul

Teil I: Reisetagebuch des Kinderchors der Oper Leipzig

von Marie-Claire Schneider Wednesday 26.02.2020
Bei der Ankunft wurde der Kinderchor der Oper Leipzig vom Schneegestöber überrascht.

Ankommen

»Da muss man bis nach Istanbul fliegen, um Schnee zu sehen«, ist wohl der treffendste Satz, um den Beginn der Reise des Kinderchors der Oper Leipzig zu beschreiben. Aber von Anfang an: Seit September 2019 haben die Kinder und Jugendlichen des das Stück »DSMN 2040« entwickelt und geprobt. In der Woche vom 7. bis 14. Februar 2020 wurde es realisiert. Wochenlang haben alle Teilnehmenden darauf hin gefiebert und die Tage heruntergezählt. Anlass für das Gastspiel ist die langjährige Freundschaft zum Barış İçin Müzik Orchester in Istanbul, mit dem vor Ort eine Show auf die Beine gestellt wurde. Kaum am Flughafen IST angekommen, herrschte draußen wildes Schneegestöber, das keiner vermutet hatte. Nach langem Warten an der Kofferausgabe wurden alle zum Hotel gefahren und fielen dort müde und gespannt auf die nächsten Tage ins Bett.
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Impressionen von Reise und Ankunft

Kennenlernen

Der erste Tag brach an und begann mit der herzlichen Begrüßung durch Barış İçin Müzik und die Enka-Foundation im Enka-Auditorium. Deren gute Organisation war maßgeblich für das Gelingen der Reise. Im Anschluss starteten die ersten Proben. Zunächst übten Chor und Orchester getrennt, aber in den Pausen gab es genügend Möglichkeiten, um sich mit den Jugendlichen aus dem jeweils anderen Land auszutauschen. Sprachbarrieren gab es kaum, alle unterhielten sich auf Englisch und lernten schnell, wie man die Namen aussprechen musste.

Sightseeing

Unter der Woche hatten die Kinder und Jugendlichen des Barış İçin Müzik Orchesters vormittags Schule, wodurch die Leipziger an manchen Tagen Sightseeing-Touren unternehmen und Istanbul besser kennenlernen konnten. Auf einer Bootstour am Bosporus entlang konnte man ganz neue Sichtweisen auf die Stadt entdecken. Der Schnee vom Ankunftstag wich strahlendem Sonnenschein – perfekte Bedingungen an Bord. Auch hier durften Gesang und Tanz natürlich nicht fehlen, sodass kurzerhand die Choreografie von »Don't stop me now«, die für die Show eingeübt wurde, auf dem Boot performt wurde. Weiter ging es in das Viertel, wo Barış İçin Müzik seinen Standort hat. Hier konnten die Jugendlichen erneut vor Ort Kontakte knüpfen und gemeinsam musizieren. Doch auch dieser schöne Sightseeing-Vormittag fand sein Ende, es musste ja schließlich noch ein Stück eingeübt werden. So ging es zurück ins Enka-Auditorium, wo fleißig geprobt wurde.
Viel Platz und Licht zum Proben
Viel Platz und Licht zum Proben

Zukunftsvisionen

Die Show nahm allmählich Gestalt an. Die Kinder und Jugendlichen zeigten keine Berührungsängste. In den Pausen hörte man es überall singen und klingen. Erste Freundschaften bahnten sich an, die noch über das Gastspiel hinaus bestehen werden. Das spiegelt die Kraft der Musik wider, die Menschen aus der ganzen Welt zusammenbringt. Dieses Thema wurde auch in dem Stück »Don't stop me now 2040« aufgegriffen. Das Stück spielt im Jahr 2040 und zeigt eine Talkshow, in der die Gäste diskutieren, ob die Welt als ein einziges Land existieren könnte. Neben Annett Krause und Sophie Bauer waren auch die Kinder an der Entstehung des Stücks beteiligt. Ihre Vorstellungen, Ideen, aber auch Ängste zum Thema Zukunft flossen darin ein. In einem Punkt waren sich alle einig: Die Frage, welchen Effekt Musik auf die Gesellschaft und auf die Welt hat, musste unbedingt angesprochen werden. So wurde eine Realität konstruiert, in der es das »Abkommen zur musikalischen Verständigung« gibt und jedes Kind das Recht auf ein gutes Leben durch Musik hat. Natürlich hatten die Kinder aber nicht nur positive Gedanken zur Zukunft. Die Themen Umwelt und Klimawandel bereiten ihnen Sorgen, weshalb kurzerhand Alva Elvira Thunberg, die Tochter von Greta Thunberg, erschaffen wurde, die während des Stücks immer wieder umweltpolitische Aspekte zur Sprache bringt.
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Keine Berührungsängste bei den Proben mit dem Barış İçin Müzik Orchester

Letzte Vorbereitungen

Bevor am Mittwoch und Donnerstag die Vorstellungen stattfanden, wurde der gesamte Dienstag noch einmal zum Proben genutzt. Als dann am Nachmittag das Barış İçin Müzik Orchester anreiste, konnte der erste Durchlauf beginnen. Die Mauer aus Papphockern wurde aufgebaut, das Orchester fing an die Ouvertüre von »Carmen« zu spielen und alle waren konzentriert. Kleine Puzzleteile fügten sich zu einem großen Ganzen zusammen und nach dem Durchlauf war klar, welche Stellen schon gut klappten und welche noch einmal geprobt werden mussten. Alle waren stolz und voller Vorfreude auf die kommenden Auftritte. Abends im Hotel ließen die Kinder den Tag gemeinsam ausklingen, besuchten sich in ihren Zimmern und teilten die Erlebnisse vom Tag.