Musikalische Komödie im Westbad

»Neumond«-süchtig

Drei junge Dirigenten begeben sich auf eine abenteuerliche Reise.

von Friederike Brendler Thursday 09.01.2020
Nora Lentner und Jeffery Krueger in »Neumond« © Tom Schulze

Volle Fahrt voraus!

Am 11. Januar sticht die »New Moon« im Westbad nach nur einer Woche Probenzeit zum ersten Mal in See. Mit an Bord: Seemänner, Powerfrauen, Monarchisten und Revoluzzer, die auf eine einsame Insel zusteuern. Sigmund Rombergs Operette erlebt unter dem Titel »Neumond« im Rahmen desOperettenworkshops in Kooperation mit dem Deutschen Musikrat ihre deutsche Erstaufführung.
Die musikalische Leitung übernehmen dabei die drei jungen Dirigenten Johannes Marsovszky, Christoph Schäfer und Gabriel Venzago.


Der Held auf der »Neumond« ist der Graf Robert Mission. Als Werftarbeiter lebt er Undercover in New Orleans nach den Idealen der Französischen Revolution. Seine Mission: die Liebe der schönen Marianne für sich gewinnen. Ähnlich wie die Figuren im Stück erleben auch die drei jungen Kapitäne am Pult eine abenteuerliche Reise. Die Dirigenten erarbeiten unter professioneller Leitung von Gerrit Prießnitz die Operette in all ihren Facetten – und davon gibt es einige. So mischt der Komponist ganz in Manier der Wiener Melange amerikanischen Witz mit Foxtrott, Tango, Big Band und Wiener Schmäh und legt damit bereits den Grundstein zur Entwicklung des Musicals.
Johannes Marsovszky »Die Operette war damals das, was heute der Film ist. Dort spielt man auch mit Klischees. Die vorhersehbaren Abläufe müssen funktionieren und es muss klar sein, dass am Ende niemand wirklich schlimm dran ist.«
Christoph Schäfer »Die Operette entwickelt einen Charme, den große Opern manchmal vermissen lassen, weil sie nur groß sein wollen. Operetten hingegen sind eben nicht bloß klein. Man muss Wert auf das Charmante legen.«
Gabriel Venzago »Es gibt eine wahnsinnige Vielfalt an Melodien, fast wie ein Mashup. Das macht das Stück sehr spannend. Romberg, ein ungarischer Emigrant in Amerika, verarbeitet seine Geschichte in der Musik und instrumentiert alte Klänge neu.«

Für die Teilnehmer des Dirigierkurses ist das Segeln durch so ein Meer von Klangfarben und Rhythmen eine Gelegenheit, die Finesse der Musik mit dem Ensemble zu entwickeln. Um das Stück von dem Vorurteil einer vermeintlich naiven und unzeitgemäßen Operette zu befreien, bringen die Dirigenten die hohe Qualität der Komposition und ihren Unterhaltungswert hörbar zum Glänzen.

Mit über 500 Aufführungen ist »Neumond« eines der erfolgreichsten Werke des Komponisten, der eigentlich Ingenieur werden sollte. In Amerika schaffte er es vom Bleistiftfabrikanten bis zum letzten Operettenkönig – ein Paradebeispiel des American Dream. Alternativen zum Dirigentenberuf sieht übrigens keiner der Teilnehmer. Lokführer, Politiker oder Sprachwissenschaftler standen zur Debatte, aber an erster Stelle kam immer die Musik.

Video der Woche zu »Neumond«