Junge Oper Leipzig

Märchenhaft!

Wie das Märchen seinen Weg in Oper und Ballett fand.

von Nele Winter Friday 06.12.2019
Schneewittchen und die sieben Zwerge © Tom Schulze

Es war einmal...

Weihnachtszeit ist Märchenzeit! – Das ist auch bei uns an der Oper Leipzig so. Doch warum gibt es eigentlich so viele Opern und Ballette, die auf Märchen basieren?

Die meisten der Märchenopern oder -ballette stammen aus dem 19. Jahrhundert. In der Epoche der Frühromantik zu Anfang des 19. Jahrhunderts reagierten viele Künstler auf die kalte Rationalität der Aufklärung mit einer Gegenbewegung: Sie sehnten sich nach dem Zauber vergangener Zeiten und irrationaler Fantasiewelten. So weckte auch die Gattung Märchen, die zuvor höchstens als Trivialliteratur betrachtet wurde, das Interesse der Frühromantiker. Die Märchen entstammen urspründlich der mündlichen Tradition und wurden zunächst durch freies Erzählen weitergegeben. Erst im 19. Jahrhundert begann in Deutschland das intensive Sammeln und Aufschreiben der Volksmärchen. Die bekanntesten Märchensammler waren die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm, deren »Kinder- und Hausmärchen« bis heute in den meisten Familien-Bücherregalen zu finden sind.
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Märchen an der Oper Leipzig – es gibt viel zu entdecken!

Versteckte Märchenschätze

Die Märchen erfreuten sich bald so großer Beliebtheit, dass auch zahlreiche Komponisten und Librettisten die Geschichten für die Bühne adaptierten. Viele dieser Stücke haben die Oper Leipzig und das Leipziger Ballett im Repertoire. Manche wie die Märchenoper »Hänsel und Gretel« von Engelbert Humperdinck sowie die »kleinere« Fassung »Knusper, knusper knäuschen«, die Kinderoper »Schneewittchen« oder das Ballett »Dornröschen – Once Upon a Dream« sind recht offensichtliche Beispiele. Unser »Dornröschen« in der Choreografie von Jeroen Verbruggen wartet jedoch mit einer ganz neuen Interpretation des Märchenstoffes auf. 

Aber auch Stücke, bei denen man es nicht gleich erkennt, haben ihre Wurzeln im Märchenland. Peter Tschaikowskis Ballett »Der Nussknacker« basiert auf E.T.A. Hoffmanns Kunstmärchen »Nussknacker und Mäusekönig«, sein »Schwanensee« beinhaltet Elemente aus zahlreichen verschiedenen Märchen. Antonín Dvořáks »Rusalka« basiert unter anderem auf Hans Christian Andersens Märchen »Die kleine Seejungfrau«. Es tauchen aber auch slawische Märchenfiguren wie die Ježibaba (tschechische Version der Baba Jaga) auf. Es gibt also noch viel zu entdecken für kleine und große Märchenfans. Lassen Sie sich verzaubern!