Leipziger Ballett

Körper, Geist und Seele

Mario Schröders »Magnificat« und die verbindende Kraft des Tanzes

von Nele Winter Thursday 18.04.2019
Das Leipziger Ballett in Mario Schröders »Magnificat« © Ida Zenna

Am 29. April wird wieder der Welttag des Tanzes gefeiert. Die universelle Sprache des Tanzes bringt Menschen aller Kulturen zusammen. In Mario Schröders Ballettabend »Magnificat« trifft die westliche Musiktradition, vertreten durch Johann Sebastian Bachs »Magnificat« und Giovanni Battista Pergolesis »Stabat mater«, auf indische Musik, gespielt von der Band Indigo Masala. Ich habe mit dem Chefchoreografen und Ballettdirektor des Leipziger Ballett darüber gesprochen, welche Rolle die indische Musik- und Tanzkultur ein seinem neusten Stück einnehmen.

Wann kamen Sie das erste Mal mit dem indischen Tanz in Berührung?

»Der erste Kontakt entstand während meiner Ausbildung an der Palucca Hochschule für Tanz in Dresden. Vor allem die Art und Weise, wie die Arme in Kombination zu den Beinrhythmen im indischen Tanz eingesetzt werden, finde ich hochinteressant. Der indische Tanz mit seinen unterschiedlichen Formen hat eine lange Tradition, viel länger als der klassische europäische Tanz, und erscheint dennoch so zeitgemäß. Ich als Europäer werde diese Tanztradition wahrscheinlich nie ganz verstehen, bin aber ein großer Bewunderer.«

Der indische Tanz

...hat einen religiösen Ursprung und wird in der hinduistischen Mythologie als heilige Handlung betrachtet. Shiva, der Gott der Schöpfung und der Zerstörung, soll die Welt tanzend zerstört und wiedererschaffen haben (Nataraja). Man unterscheidet acht klassische Tanzformen: Bharatanatyam, Kathak, Kathakali, Kuchipudi, Manipuri, Mohiniyattam (Mogulhui), Odissi und Sattriya.

Inwiefern hat die indische Tanztradition Ihre choreografische Arbeit für »Magnificat« beeinflusst?

In »Magnificat« gibt es Andeutungen von Kathak-Schritten. (Kathak (katha = Geschichte) ist ein indischer Tanzstil, der vor allem in Nordindien, Punjab und Uttar Pradesh verbreitet ist und im 13. Jahrhundert von Barden und Geschichtenerzählern entwickelt wurde). Allerdings wollte ich den indischen Tanz nicht direkt aufgreifen, kopieren oder aufbrechen. Die Musik von Indigo Masala ist ja auch nicht nur traditionell. Es gibt darin viele westliche und moderne Elemente. Ich wollte auf diese vielseitige Musik mit den tänzerischen Mitteln reagieren, die wir als Company zur Verfügung haben.

Welche Rolle spielt die Musik von Indigo Masala innerhalb des Abends?

In »Magnificat« gibt es drei Universen. Die Musik von Indigo Masala steht für den Körper, die von Bach für den Geist und die von Pergolesi für die Seele. Es gibt viele kleine Episoden und die Musik wechselt Schlag auf Schlag. Die große Herausforderung war, dabei den dramaturgischen Bogen, der in Zusammenarbeit mit Thilo Reinhardt als Librettisten entstanden ist, nicht aus den Augen zu verlieren.

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Ravi Srinivasan von Indigo Masala und das Leipziger Ballett © Ida Zenna
© Ida Zenna
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Yogendra von Indigo Masala und das Leipziger Ballett © Ida Zenna
© Ida Zenna
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Ravi Srinivasan © Ida Zenna

Was war das Spannende an der Arbeit mit Indigo Masala?

Es war für mich erstaunlich, dass es gar keinen großen Klangkörper braucht, um einen so großen Klangraum zu erzeugen. Auch die Vielseitigkeit und Flexibilität der Musiker hat mich begeistert. Wir haben versucht, diese Flexibilität auch choreografisch aufgreifen. Die Variabilität in den Rhythmen, die typisch ist für die indische Musik, war für mich besonders spannend.

War diese Variabilität für die Tänzerinnen und Tänzer eine große Herausforderung?

Manches war im Vergleich zu klassischen Kompositionen schon ungewöhnlich. Wie zählt man zum Beispiel einen 34/6-Takt, wenn man gleichzeitig so viel Schrittmaterial zu lernen hat? Spaß gemacht haben die raschen Taktwechsel. Das waren zwar kleine Herausforderungen, aber die große Lebensfreude, die die Musik transportiert, hat dabei sehr geholfen und war für uns ein wunderbarer Partner.

 

Lesen Sie auch den Artikel »Gott ist Schwingung. Ein Sitarist erklärt die Prinzipien der klassischen Indischen Musik« von Yogendra, dem Sitaristen von Indigo Masala, in unserem Magazin »Dreiklang«.