Oper

Heldentenor mit Traktorführerschein

Thomas Mohr hat in Leipzig eine künstlerische Wahlheimat gefunden.

von Christian Geltinger Wednesday 10.04.2019
Thomas Mohr als Siegfried in der »Götterdämmerung« © Tom Schulze

Ein gern gesehener Gast

Seit Thomas Mohr im Mai 2013 als Loge in Richard Wagners »Rheingold« zu erleben war, gehört er gewissermaßen zum erweiterten Ensemble der Oper Leipzig. Sein Loge bestach damals wie heute durch eine Textverständlichkeit, die ihresgleichen sucht. Das gab auch den Ausschlag, dass das Haus ihn anfragte, sein Rollendebüt als Siegfried in der »Götterdämmerung« in Leipzig zu geben. Mit Erfolg! Der Sänger, der vor etwa zehn Jahren vom Baritonfach ins Fach des Heldentenors wechselte, meistert die sprichwörtlichen »schweren« Partien mit einer mühelosen Leichtigkeit und der Kultiviertheit eines Schubertlieds, ohne an den entscheidenden Stellen die nötige Durchschlagskraft vermissen zu lassen. Beste Voraussetzungen für die Titelpartie des Siegfried im dritten Teil von Wagners »Ring«-Tetralogie, die Mohr nach seinem gefeierten Rollendebüt im Mindener »Ring« am 13. April auch an der Oper Leipzig übernehmen wird, bevor er im zweiten Zyklus der Spielzeit im Mai wieder als Siegfried in der »Götterdämmerung« zu sehen sein wird.

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Götterdämmerung © Tom Schulze
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Der Freischütz © Ida Zenna
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Der Freischütz © Ida Zenna
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Das Rheingold © Tom Schulze
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Götterdämmerung © Tom Schulze

Die zweite Leidenschaft

Im Lauf der Jahre ist Leipzig so etwas wie eine künstlerische Wahlheimat für Thomas Mohr geworden. Neben seinen Paraderollen, dem Loge im »Rheingold«, den Siegfried in »Siegfried« und »Götterdämmerung«, dem Parsifal oder dem Max im »Freischütz«, ist der Heldentenor nach wie vor offen für Neues. Mit der Partie des Regenten in Viktor Ullmanns selten gespielter Oper »Der Sturz des Antichrist« wird er sein breites Repertoire um eine zusätzliche Rolle erweitern. Dabei zieht es ihn, wenn er frei hat, immer wieder hinaus in die Natur: »Ich ziehe sehr viel positive Energie aus der Ruhe der Natur, so dass ich mir immer, wenn ich für einen längeren Zeitraum beruflich in anderen Städten sein muss, Fleckchen aussuche, an denen man schnell im Grünen ist.« Das mag nicht zuletzt auch an seiner anderen großen Leidenschaft, der Landwirtschaft, liegen. Der Sänger verwaltet einen Gutshof in einem kleinen Dorf in der Nähe von Neumünster, wo er, wenn es die Zeit erlaubt, schon mal selbst auf den Traktor steigt und die Felder bestellt. Das gibt ihm die nötige Erdung, um den Alltag des Sängerdaseins bewältigen zu können: »Überhaupt ist das Leben auf dem Lande deutlich sozialer. Man grüßt sich, fühlt sich füreinander verantwortlich, hilft sich gegenseitig.«