Oper

Für das Pausengespräch

Fünf informative bis skandalöse Fakten zu »Tristan und Isolde«

von Nele Winter Thursday 26.09.2019
Mathilde Wesendonck, Porträt von Karl Ferdinand Sohn, 1850
Richard Wagners Oper »Tristan und Isolde«, die am 5. Oktober an der Oper Leipzig Premiere feiert, ist ein unglaublich vielschichtiges Werk, dessen zum Teil recht skurrile Entstehungs- und Aufführungsgeschichte allerlei Gesprächsstoff bietet, zum Beispiel bei einem Glas Orangensaft oder Sekt in unserem Foyer.

Heimliche Affäre

Mathilde Wesendonck, mit der Wagner zur Entstehungszeit der Oper eine außereheliche Liaison hatte und die ihn wohl auch zur Komposition des Stücks inspirierte, trug ursprünglich einen anderen Namen. Vor ihrer Heirat mit Otto Wesendonck, einem Kaufmann sowie Freund und Förderer Wagners, hieß sie Agnes Luckemeyer. Ihrem Mann zuliebe nahm sie nicht nur dessen Nachnamen an, sondern auch den Vornamen seiner früh verstorbenen ersten Ehefrau Mathilde.

Unmöglich?

Das Stück galt lange als unaufführbar und verfügt wohl über eine der komplexesten Uraufführungsgeschichten überhaupt. Sieben Städte waren als Uraufführungsorte geplant: Rio de Janeiro, Karlsruhe, Paris, Wien, Dresden, Weimar und schließlich München, wo die Uraufführung endlich stattfinden konnte. In Wien gab man dabei sogar erst nach dreijähriger Bemühung, 77 Proben und mehrfachem Stimmverlust des Tristan-Sängers auf.

Sonderanfertigung

Die Holztrompete, die im dritten Aufzug mit einer fröhlichen Melodie die Ankunft Isoldes ankündigt, ließ die Oper Leipzig eigens für »Tristan und Isolde« von der Firma Lechner in Österreich bauen. Inspirieren ließ sich Wagner bei der Erfindung des Instruments wahrscheinlich von den Alphörnern der Schweiz, wo er ab 1857 an »Tristan und Isolde« arbeitete. Um Wagners gewünschtes Klangideal zu treffen, entwickelte der Instrumentenbauer Johann Adam Heckel eine Holztrompete, die bis 1897 genutzt wurde.

Verrückte Obsession

Malvina Schnorr von Carolsfeld, die erste Isolde-Sängerin, war mit dem ersten Tristan- Darsteller, Ludwig von Carolsfeld, verheiratet, der drei Tage nach der Uraufführung des Werks verstarb. Nach dem Tod ihres Mannes fiel sie in tiefe Depressionen und hielt spiritistische Séancen mit einer Schülerin ab, um mit dem verstorbenen Ehemann zu kommunizieren. Während besagte Schülerin von einer Heirat mit König Ludwig fantasierte, glaubte Malvina, es sei ihr vorbestimmt und der Wille ihres verstorbenen Gatten, Richard Wagner zu ehelichen. Die beiden Damen reisten nach Tribschen bei Luzern, um Wagner in die Heiratspläne einzuweihen. Dort trafen sie zu ihrer Überraschung die hochschwangere Cosima von Bülow. Es folgten heftige Briefwechsel zwischen Malvina, Wagner und dem König, der durch das Vorkommnis erstmals vom ehebrecherischen Verhältnis des Paares in Kenntnis gesetzt wurde, denn…

Affäre Nr. 2

Cosima Wagner (geb. Cosima de Flavigny), Tochter von Franz Liszt, war eigentlich mit dem Dirigenten der Uraufführung von »Tristan und Isolde« Hans von Bülow verheiratet, mit dem Wagner eine enge Freundschaft verband. Nach einer längeren Affäre mit dem 24 Jahre älteren Wagner trennte sich Cosima von ihrem ersten Mann. Ihrem ersten Kind gaben Cosima und Richard Wagner den Namen Isolde.