Leipziger Ballett

Amerikanische Actionfiguren

Probennotizen zu Martin Harriagues Neukreation »America«

von Anna Diepold Monday 11.03.2019
© Håkan Larsson
Der Choreograf Martin Harriague

Trump als Inspiration

Der Name ist Programm. Zur ersten Probe der Neukreation »America« von Martin Harriague für das Leipziger Ballett, dröhnt der gleichnamige Song der Band »The Shoes« aus den Boxen und macht klar: Hier geht es nicht um gestreckte Füße, schöne Röcke oder klassisches Repertoire.

Das Tempo ist hoch. Niemand soll kopieren, Gleichartigkeit ist nicht gewünscht. Vielmehr sollen die Tänzerinnen und Tänzer forschen und ihre Körper auf das reagieren lassen, was im jeweiligen Moment passiert. Der junge Choreograf aus Frankreich setzt besondere Akzente in seiner Arbeit mit dem Leipziger Ballett.

Harriague nimmt die aktuelle Situation in den Vereinigten Staaten von Amerika, genauer gesagt den aktuellen Präsidenten, als Ausgangspunkt für das neue Stück. Er wird zu einer Showfigur: Die Reden Donald Trumps sind musikalisches Mittel, seine Stimme verzerrt, Mimik und Gestik in Tanz übersetzt. Die Art und Weise, wie der Präsident der USA dadurch im Ballettsaal präsent wird, ist beinahe gruselig. Deutlich wird aber auch: Viel Inhalt haben seine Worte nicht – manchmal klingen sie eher wie ein Werbetext. Aber es ist nicht klar, welcher Preis am Ende gezahlt werden muss.

Mit schnellen Schritten

Die Tänzerinnen und Tänzer sind wie Actionfiguren, die nicht so richtig zum Spielen geeignet sind: Figuren aus einer Fabrik, vielleicht sogar die Ausschussware, mit wackelnden Köpfen und in rasanten Bewegungsabläufen. Geschwindigkeit ist immer wieder Thema. Die Sequenzen sind so schnell, dass manchmal ein zweites und drittes Hinsehen nötig wird, bis ich alle Details, jede Geste erkannt habe. Auch aus den Reihen der Tänzerinnen und Tänzer ist eine kurze Irritation bei dieser neuen Bewegungssprache, dieser anderen Physikalität zu spüren.

Wenige Minuten später hat sich aber jede Irritation gelegt und die Sequenz sitzt. Als Einheit führen die Tänzerinnen und Tänzer des Leipziger Ballett das komplizierte Zusammenspiel von Kopf-, Hand- und Fußbewegungen aus. Mit schnellen Schritten geht es auf die Premiere zu – schon die erste Probe gibt das Tempo vor.

None
Probeneinblicke zu »America«