sonstige

Samstag 25.09.2021 | 10:00 Uhr | Konzertfoyer Opernhaus

Der Menschheit wegen, Brüder, trennt euch nicht!

Beschreibung

Die Zeit der Weimarer Republik gilt als eine der produktivsten Perioden der Musikgeschichte. Durch das Aufbrechen des tonalen Systems, das zunehmende Verschwimmen der Grenzen von sogenannter ernsthafter Musik und Unterhaltungsmusik, die Durchlässigkeit von Alltagswelt und Kunst, und nicht zuletzt durch die vielfältigen multiethnischen Einflüsse erfuhr das Musikleben eine nie dagewesene Öffnung und Bereicherung, die mit dem verbrecherischen Regime der Nazi-Diktatur im Keim erstickt wurde. Als sogenannte »Entartete Musik« diffamierten die Nationalsozialisten alle Musikstile, die nicht ihrer Ideologie entsprachen, oder aber Musik von Komponistinnen und Komponisten, die nicht arischer Abstammung waren. Zahlreiche Musikerinnen und Musiker flüchteten aus Deutschland oder wurden wie Viktor Ullmann in Konzentrationslagern ermordet.

Anlässlich der Aufführung von Viktor Ullmanns selten gespielten Werk »Der Sturz des Antichrist« widmet sich die Oper Leipzig in Kooperation mit dem Institut für Musikwissenschaften der Universität Leipzig in einem Symposium diesen dunkelsten Zeiten der deutschen Musikgeschichte. Mit dem Musikwissenschaftler Ingo Schultz konnte hierfür einer der versiertesten Kenner des Lebens und Schaffens von Viktor Ullmann gewonnen werden. Ansgar Martins vom Lehrstuhl für Jüdische Religionsphilosophie der Universität Frankfurt beleuchtet die anthroposophischen Aspekte im Werk Ullmanns. Stefan Keym, Professor am Institut für Musikwissenschaft der Universität Leipzig, ordnet den »Sturz des Antichrist« in den Kontext der Weltanschauungsoper der Zwischenkriegszeit ein, ehe Manuel Gervink, Professor für Musikwissenschaft an der Hochschule Carl Maria von Weber in Dresden, Ullmanns Bühnenweihefestspiel mit Arnold Schönbergs »Moses und Aron« ein anderes prominentes Beispiel für die Weltanschauungsoper dieser Zeit gegenüberstellt.