Junge Oper Leipzig

Wenn ich plötzlich König oder Königin wäre... II

Die Preisträgertexte des Schreibwettbewerbs zu »König Artus«

von Nele Winter Donnerstag 09.06.2022

Anlässlich der Premiere von »König Artus«, einer Musiktheaterproduktion des Kinder- und Jugendchores starteten die Oper Leipzig und der Ernst Klett Verlag einen Schreibwettbewerb zum Thema »Wenn ich plötzlich König oder Königin wäre …«. Wir erhielten 159 Einsendungen aus ganz Deutschland. Die Vielzahl und Vielfalt der literarischen Einsendungen hat uns überrascht und begeistert. Eine Auswahl der Texte der Preisträgerinnen und Preisträger können Sie hier nachlesen. Im ersten Teil finden Sie weitere Texte.

Entscheidung

Und da stand ich, inmitten erwartender Blicke der Leute, über die ich regiere. Selbst wenn ich sah, wie ihre ernsten Augen mich durchbohrten, so fühlte ich mich nun allein gelassen und verloren. Nur wenige die ich kannte, sahen mich nun in diesem Moment, doch irgendwie erschienen sie mir nun fremd, und nicht mehr bekannt. Ich sah sie nur noch als Kriegsherren, wie ich nun einer war. »Herr, was nun?«, fragte einer der Generäle, die anwesend waren in diesem wichtigen Moment. Aber ich regte mich nicht, als ich überwältigt war von dem, was ich zu entscheiden hatte. Der General wiederholte seine Worte, bevor auch er verstummte und nur seufzte. Ich konnte spüren, wie sein spöttischer Blick mich verfluchte und ich in seinen Augen nichts mehr als ein junger Knabe war, der das Glück hatte, der erste Sohn des vorherigen Königs zu sein.

Erst als ein Herzog sprach, der so wie ich gezwungenermaßen dazu erkoren wurde, dem zu folgen, was das Erbe verlangte, kam ich wieder zurück zu meinen Gedanken und konnte endlich antworten. »Die westliche Front steht klar im Auge des Feindes«, sagte ich ruhig und gewiss, selbst wenn ich nur so tat um den Schein zu wahren. Denn in Wirklichkeit wollte ich nur nicht die Ehre meines Vaters schädigen um mich ihm würdig zu erweisen. »Wir wissen, dass es schwer ist«, bekräftigte der junge Herzog, der als einziger im ganzen Raum schien nachvollziehen zu können, was in mir gerade vorging.

Ich sah auf den Tisch, der vor mir stand und die Figuren, die die Karte unseres, nein meines Landes zierten. Mein Blick schweifte zu denen, die mich zu beobachten vermochten, doch nun war ich ihr Richter und Herrscher. Es war ungewohnt für mich, noch immer fremd, und dennoch konnte ich das Gefühl nicht loswerden, dass ich nun derjenige war, der über tausende Leben zu entscheiden hatte. »Wir werden sicherlich bald angegriffen, wenn wir nicht bald handeln, Herr«, sagte der oberste General erneut, und ich sträubte mich schon seit Tagen, auf diese Aussage antworten zu müssen. Dennoch stand ich nun hier. Mir war nie klar gewesen, bis zu diesem Moment, dass die Taube auf rotem Grund nicht für Lebenskraft stand, sondern für das Blut, das für den Frieden vergossen wird.

Von Kristina Rancev, 11. Klasse

Phönix

»Es brennt«.

Mit einem Schritt gehe ich auf die Flammen zu. Ein leichtes Lächeln im Gesicht, wohl wissend, was die Zukunft sein wird. Das Feuer kegelförmig, parodiert die göttliche Komödie. Mein Kopf gefüllt mit Leere, entschlossen, die Infektion in mich aufzunehmen. Reuelos und ohne Schuldigen. Mein Körper, mir gleich, verfällt zu Sand.

Ich wache auf. Ein Ort wie in einem Traum. Asche bedeckt die Dünen der Wüste wie grauer Sand. Nichts ragt vom Horizont des Meeres und der Wüste hinaus. Einzig eine ferne Gruppe von Menschen tanzt auf der heißen Glut. Ich gehe hin. »Die Oligarchie ist besiegt«, spricht eine Rednerin, kaum erhöht von allen anderen. Sie schaut mich an, »Es lebe der Souverän, er werde unserem Volk den Weg weisen.« Die restliche Menschengruppe wendet sich zu mir, der gerade angekommen ist. Sie scheinen mich wiederzuerkennen, einzig mir sind sie fremd. Ich spreche kein Wort, bemüht, kein Zeichen von Unsicherheit zu geben. Als es Abend wird, gehe ich zu Bett, in einem kleinen Zelt, kaum größer als alle anderen.

Ich erwache. Ich erblicke die Kleinstadt aus einem kleinen Loch in meiner Hauswand. Die Luft angenehm mild von der Nacht. Ich möchte hinausgehen, bis ein Diener mir einen Mantel zureicht. »Ein König muss auch wie einer gekleidet sein«, spricht er. Ich zögere, nehme den Mantel aber dankend an. Ich verlasse mein kleines Haus, und gehe zur Stadtmitte. Bei meinen Wegen erlausche ich die Gespräche meiner Mitmenschen. Viele sind unzufrieden mit ihrer Arbeit, gerade die Minenarbeiter, welche die weiß­kristallinen Opale der Region abbauen. Ich setze also Kurs auf die Mine. Angekommen höre ich ein Gespräch. »Mit diesem Geld kann ich meine Familie nicht ernähren, bald müssen wir unsere Tochter verkaufen.« Der Unternehmer reagiert jedoch nicht. »Von nun an gehört diese Mine mir, und alle sollen fair und gleich bezahlt werden«, spreche ich auf sie zugehend, »dies ist nun Gesetz.« Der Unternehmer verlässt sichtlich wütend die Mine. Als es Abend wird, gehe ich heim und schaue in einen Spiegel. Das Abbild darin sagt mir: »Sagst niemand darf andere ausbeuten, selbst beutest du jeden aus.« Ich gehe zu Bett.

Ich erwache. Ich erblicke die Großstadt aus einem Fenster meiner Hauswand. Die Luft angenehm warm. Ich möchte hinausgehen, bis ein Diener mir eine Uniform zureicht. »Ein König muss auch wie einer gekleidet sein«, spricht er. Ich nehme die Uniform dankend an. Ich verlasse mein Anwesen und gehe zur Stadtmitte. Ich sehe Sklaven auf dem Weg, welche Lebensmittel transportieren. Ich setze also Kurs auf den Stadtmarkt. Angekommen höre ich ein Gespräch. »Junger Mann, etwa 15, gut gebaut, geeignet für körperliche Arbeiten. Wer bietet?« Die herumstehenden Adligen begannen wild, wie eine Gruppe von Kindern, das Leben des Jungen zu ersteigern. »Von nun an ist jeder Mensch gleich. Es gebe keine Sklaven und Adeligen«, spreche ich auf sie zugehend, »dies ist nun Gesetz.« Die Adligen verlassen sichtlich wütend den Stadtmarkt. Als es Abend wird, gehe ich heim und schaue in einen Spiegel. Das Abbild darin sagt mir: »Sagst alle Menschen sind gleich, bist jedoch jedem übergeordnet.« Ich gehe zu Bett.

Ich erwache. Es liegen ein Stein und durchsichtige Scherben auf dem Boden. Ich erblicke das Imperium aus dem Loch in meiner Wand. Die Luft ist trocken und heiß. Ich möchte hinausgehen, bis ein Diener mir ein purpurnes Gewand zureicht. »Ein König muss auch wie einer gekleidet sein«, spricht er. Ich nehme es an, spreche jedoch kein Wort. Ich verlasse meinen Palast und gehe zur Stadtmitte. Ich sehe, dass die Bewohner aufgehört haben zu arbeiten und höre, wie sie in Richtung der Sonne beten. Ein Wanderpriester sei beim Hafen. Ich setze also Kurs zum Hafen. Angekommen höre ich ein Gespräch. Ein großer und starker Mann steht unmittelbar vor einer Menschengruppe. Fasziniert von seinen flammend glühenden Augen schauen sie ihn an und es wirkt, als würde eine Infektion die Menschen übermannen. »Folget mir, denn ich bin der Folger des Retters, ein Heiliger.« Die Menschen beten ihn an und alle Unterschiede der Menschen scheinen zu verschwinden. »Glaubt nicht an Mythen, denn sie zeigen nicht die volle Wahrheit. Von nun an verbiete ich diesen Glauben, denn er versucht, euch zu missbrauchen«, spreche ich auf sie zu­gehend, »dies ist nun Gesetz.« Der Priester bleibt stehen und schaut mich an. Als es Abend wird, gehe ich heim und schaue in den Spiegel. Das Abbild darin sagt mir: »Sagst niemand soll ihm glauben, du verlangst jedoch, dass jeder dir Glauben schenkt.« Ich gehe zu Bett.

Ich erwache. Ich blicke hinaus, wo einst eine Hauswand stand. Die Luft ist unerträglich heiß. Ich steige einen Haufen Schutt hinauf und blicke in die Ferne.

»Es brennt«

Von Jonas Gurbisz, 11. Klasse