Leipziger Ballett

Verbindung

Die ehemalige Erste Solistin und heutige Leiterin des Abenddienstes Sibylle Naundorf spricht über Mario Schröder.

von Nele Winter Montag 31.05.2021
Mario Schröder und Sibylle Naundorf © Ida Zenna

In unserer Reihe #marioschroeder10 feiern wir das 10-jährige Jubiläum des Ballettdirektors und Chefchoreografen beim Leipziger Ballett. Diesmal erinnert sich die ehemalige Erste Solistin Sibylle Naundorf an die Zeit, in der sie mit Mario Schröder auf der Bühne stand und berichtet von ihrer heutigen Perspektive auf seine Arbeit.

Das verbindende Element

Als ich 1986 beim Leipziger Ballett angefangen habe, war Mario bereits da. Schon bald haben wir einiges zusammen getanzt, unter anderem in »Daphnis und Chloé«. Richtig prägend war dann aber die Zeit mit Uwe Scholz. Bevor Uwe die Leitung des Leipziger Ballett übernommen hat, hat er bereits mit Christoph Böhm, Mario Schröder und mir in einem Projekt für die Schweiz zusammengearbeitet. Als er dann Ballettdirektor und Chefchoreograf wurde, haben Mario und ich in seiner »Schöpfung« Adam und Eva getanzt. Dieses Stück und besonders den Pas de deux mit Mario habe ich geliebt und verbinde damit besondere Erinnungen, weil wir es an dem Abend vor meiner Hochzeit getanzt haben. Später haben wir gemeinsam sowohl in lustigen Stücken wie »Sommernachtsträumereien« als auch in ernsten wie »Pax questuosa« getanzt, das ja erst vor Kurzem wieder auf die Bühne gebracht wurde. Es ist ein schönes und auch verbindendes Gefühl, das Stück sozusagen an die nächste Generation weiterzugeben. Die Zeit, in der wir gemeinsam getanzt haben, ist nach wie vor das verbindende Element zwischen Mario und mir, obwohl wir natürlich auch in unseren heutigen Arbeitsbereichen miteinander zu tun haben.

Elektrisierende Präsenz

So wie Mario und ich auf der Bühne waren, haben wir auch im Saal probiert. Es war sehr emotional und hat unheimlich viel Spaß gemacht. Er war ein sehr aktiver Tänzer. Auch wenn wir mal nicht zusammen getanzt haben, habe ich ihm unglaublich gerne zugesehen. Er war nicht der Prinz mit langen Linien und schönen Füßen, sondern hatte einfach Charakter. Wenn er getanzt hat, hatte er so eine Spannung und war so agil, dass man bei jedem Schritt gerne zugesehen hat. Das hat Uwe dann auch oft für verschiedene Choreografien genutzt. Mario hat es geschafft, mit seiner Präsenz alleine eine ganze Bühne zu füllen und den Raum zu elektrisieren. Das kann nicht jeder Tänzer. Eine der ersten Rollen, in denen ich ihn gesehen habe, war der Mercutio in »Romeo und Julia«. Ich war fasziniert davon, wie viel Leben er in eine Figur bringt.

None
Erinnerungen an die gemeinsame Zeit beim Leipziger Ballett © Andreas Birkigt
None
© Andreas Birkigt
None
© Andreas Birkigt
None
© Steffen Naundorf

Neue Wege

Mario hat schon choreografiert, bevor er es professionell gemacht hat. In dieser Zeit habe ich in einigen seiner ersten Stücke und und auch in seiner Abschlussprüfung getanzt. Umso mehr freue mich zu sehen, was heute aus ihm geworden ist und dass ich einen kleinen Anteil an dieser Entwicklung hatte. Ich war mir damals schon sicher, dass er diesen Weg gehen wird und auch dass ich einen anderen Weg wählen werde. Als Mario dann eine Zeit lang weg war und schließlich als Ballettdirektor und Chefchoreograf zurück zum Leipziger Ballett kam, war ich wirklich beeindruckt von seinen Arbeiten. Besonders die Stücke, in denen er sich mit Persönlichkeiten beschäftigt, wie »Chaplin« oder »Jim Morrison«, haben mich besonders begeistert. Es ist erstaunlich, wie er es schafft, auch mit wenig Tänzerinnen und Tänzern die große Bühne zu füllen und den Raum zum Leben zu erwecken. Er hat es geschafft, seinen eigenen künstlerischen Weg zu finden. Trotzdem freue ich mich, wenn an manchen Stellen sein Mentor Uwe Scholz zu erkennen ist, wenn auch auf eine ganz versteckte Art und Weise und nie so, dass es zur Kopie wird. Neben »Chaplin« und »Morrison« gefällt mir besonders der Rachmaninow-Abend, in dem Marios Rachmaninow-Klavierkonzert mit dem von Uwe Scholz kombiniert wird. Von den neueren Stücken hat mir auch »Magnificat« sehr gut gefallen.

Mario hat tolle Ideen und darüber hinaus auch tolle Tänzerinnen und Tänzer, die es schaffen, diese Ideen umzusetzen.

Sibylle Naundorf

Perspektivwechsel

Bei meiner heutigen Arbeit bekomme ich viel von der Perspektive des Publikums mit. Ich bin für den vorderen Bereich des Opernhauses zuständig und sehe dementsprechend auch jedes Stück. Außerdem erlebe ich die Reaktionen des Publikums unmittelbar. Das Altersspektrum ist bei Marios Stücken sehr breit. Doch besonders junge Leute sind oft begeistert von Marios Stil und von der Company. Gerade bei dieser Gruppe läuft auch die Abendkasse sehr gut, das fällt besonders beim Ballett immer wieder auf. Das sind die jungen Studierenden, die spontan kommen und sich freuen, wenn es noch eine Karte gibt. Bis auf wenige Ausnahmen sind die Zuschauerinnen und Zuschauer begeistert und gehen beeindruckt von der Gesamtleistung aus der Vorstellung. Auch wenn ich heute einen anderen Beruf habe, ist meine Liebe zum Tanz nach wie vor lebendig. Nebenberuflich gebe ich Tanzunterricht, was mir sehr viel Spaß macht.