Musikalische Komödie

Peace is Power

Ein außergewöhnlicher Abend im Museum der bildenden Künste Leipzig

von Stefan Klingele Donnerstag 04.04.2019
Chefdirigent Stefan Klingele bei der Performance »Sky Piece« © PUNCTUM/Stefan Hoyer

Die Attraktion der gestrigen Ausstellungseröffnung »Peace is Power« hatte im Vorfeld nahezu täglich rasant zugenommen – »Hype« ist wohl der treffende Ausdruck dafür, was Direktor Dr.Weidinger in den letzten Tagen auf sich und das Museum zurollen sah. Nach unseren »Nachhall«-Konzerten der letzten Jahre haben meine Musikerinnen und Musiker ein gewachsenes Verhältnis zu Personal, Gebäude, Kunst und der spezifischen Atmosphäre des mächtigen Gebäudes; der Entschluss, hier mitzuwirken zu wollen, war schnell und voller Überzeugung gefasst.

Riesiger Andrang

Der Andrang war enorm, aus nachvollziehbaren Gründen konnte nur ein Teil der Besucher an der räumlich begrenzten Begrüßung und Eröffnung im Untergeschoß teilnehmen. Aus meiner Sicht war die (auch daraus resultierende) Dynamik der vielen Menschen wie ein Sog, wie ein eigenes Gesamtkunstwerk: das Suchen im Gebäude, die Unsicherheit, ob man nun bereits einen Ausstellungsbereich »Yoko Ono« vor sich hätte, die prüfenden Blicke, eilenden Schritte, die Angst, etwas zu verpassen und, ja, auch die Gier nach der berühmten Künstlerin… diese greifbare Gesamtanspannung entsprach wohl sehr der Grundüberzeugung der Künstlerin, sinnlich erfahrbare Situationen durch Einmaligkeit zum Kunstwerk zu fügen. Und so wurde das MdbK gestern für ein paar Stunden zum starken Energiezentrum der Stadt Leipzig, wie es hier vorher wohl noch nicht erlebt worden war: über  9000 Besucher waren gekommen.

Stefan Klingele und das Orchester der Musikalischen Komödie         © PUNCTUM/Stefan Hoyer
Stefan Klingele und das Orchester der Musikalischen Komödie © PUNCTUM/Stefan Hoyer

Himmlische Verwicklungen

Unsere Performance der Yoko-Ono’schen Kunstidee »Sky Piece« mit »Verpackung der Musiker« war mit Vertrauen in den Augenblick und ohne Planbarkeit im Hinblick auf Ausgang und Wirkung angesetzt worden und verlief dann auch anders als frühere Vorbilder: welch schöner Glücks/-Zufall, dass unser Orchester die Musik bis zum Ende spielen konnte! Die Uraufführung von Johanna Doderers »Dynamic Piece« passte klanglich und ästhetisch ideal und hatte absolut den richtigen »Spirit«, und wie unser Orchester sich ohne Vorbehalte in diesen spontanen Prozess hineinbegab, war für mich einmal mehr ein Beweis der hervorragenden MuKo-Möglichkeiten – bravo!

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© PUNCTUM/Stefan Hoyer

Zukunftsmusik

Ich habe die Gewissheit, dass wir zusammen mit dem MdbK unbedingt neue, übergreifende Kunstaktionen denken und realisieren wollen. Auch die weiteren Beiträge unserer Künstlerinnen und Künstler (Chor, Schlagzeuger, Saxophonisten, Blechbläser) fügten sich später selbstverständlich und spannend in den Verlauf des Abends. Die teils neu komponierten, virtuosen Werke und der unbeirrbare Fokus meiner musizierenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im (sich erst spät beruhigenden) turbulenten Treiben nötigten mir höchste Bewunderung ab. Meine persönliche Zufriedenheit mit dem Erlebten ist groß und ich freue mich auf weitere spannende Schritte in dieser außerordentlich sinnvollen und zukunftsträchtigen Partnerschaft.