Musikalische Komödie im Westbad

Kurz erklärt: Was ist ein Schlager?

Das populäre Genre und seine Geschichte

von Christian Geltinger Donnerstag 26.09.2019
Nora Lentner in Cusch Jungs Revue »Spiel mir eine alte Melodie« © Ida Zenna

Der Schlager lebt!

An den guten alten deutschen Schlager hat die US-amerikanische Popdiva Britney Spears vermutlich nicht gedacht, als ihr Song »Hit me baby one more time« vor über 20 Jahren (!) die Charts stürmte, auch wenn der Titel sich innerhalb kürzester Zeit zu dem entwickelte, was man klassischerweise einen »Hit« nennen würde. Der als Anglizismus längst in den deutschen Sprachgebrauch übergegangene Begriff bezeichnet nichts anderes als das deutsche Wort »Schlager«. Die meisten unter den älteren Semestern kennen sicher noch die ZDF Hitparade mit Dieter Thomas Heck. Damals wurden Hits noch im TV geboren.

Aber was ist nun ein Schlager? Diese Frage ist so alt wie das Genre selbst und führt uns zurück in die Zeit, in der die Schere zwischen sogenannter »ernsthafter« Musik und Unterhaltsmusik immer weiter auseinanderging, also in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der Begriff leitet sich aus dem Wienerischen ab, das damit einen kometenhaften Erfolg umschreibt. Und so ist es auch kein Wunder, dass der erste Beleg dafür in das Jahr 1867 verweist, in dem Johann Strauß’ »An der schönen blauben Donau« als Schlager bezeichnet. Was heute Streamingdienste für Britney Spears sind, das war das Grammophon für die neu aufkommende Unterhaltungsindustrie. Auf Schellack gepresst, konnte man seine Lieblingsstücke getrost nach Hause tragen und so oft anhören, wie man wollte.

Insofern ist der Titel von Cusch Jungs Schlagerrevue, die ab dem 27. September an der Musikalischen Komödie im Westbad gegeben wird, durchaus wörtlich zu verstehen: »Spiel mir eine alte Melodie«. Natürlich scheiden sich bis heute die Geister, was wirklich ein »Schlager« ist. Die Spanne zwischen Georg Kreisler, Cornelia Froboess, Roy Black und Marianne Rosenberg ist da sehr weit. Eines ist jedoch sicher: It will survive!