Oper

Hidden Places Teil II

Das Opernhaus von Kopf bis Fuß fotografiert von Ida Zenna

von Nele Winter Donnerstag 14.05.2020
Blick von der Bühne auf den Zuschauerraum © Ida Zenna
Beim letzten Mal ging es in unserer »Hidden Places«-Reihe hoch hinaus. Der Bereich oberhalb der Bühne wurde erkundet. Nun geht es zurück auf den »Boden der Tatsachen« oder besser gesagt auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Es dreht sich alles um die Bühne, vor allem um Einblicke, die das Publikum normalerweise nicht zu Gesicht bekommt. Darüber hinaus werden auch Orte, die sich auf derselben Ebene befinden, vorgestellt.

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Die Bühne ist das Herz eines jeden Theaters. So ist es auch bei uns an der Oper Leipzig. Auf der Bühne des Opernhauses finden die meisten Vorstellungen der Sparten Oper und Leipziger Ballett sowie zahlreiche Proben statt. Neben den Künstlerinnen und Künstlern arbeiten viele andere Menschen auf der Bühne und im direkten Umfeld der Bühne. Die Bühnentechnikerinnen und -techniker sind für die technischen Abläufe bei Vorstellungen und Proben zuständig. Dabei gibt es unterschiedliche Spezialbereiche wie Beleuchtung oder Ton. Eine wichtige Rolle spielen auch Bühnenmeister und Bühneninspektor, die die technische Umsetzung einer Produktion verantworten. Die Inspizientin oder der Inspizient sorgt dafür, dass der Ablauf des Bühnengeschehens während der Vorstellungen oder Proben reibungslos verläuft. Alle Fäden laufen dann beim Technischen Direktor zusammen.
Blick aus dem Rang auf die Bühne mit hochgefahrenem Orchestergraben. Hier kann man gut die Drehscheibe erkennen.
Blick aus dem Rang auf die Bühne mit hochgefahrenem Orchestergraben. Hier kann man gut die Drehscheibe erkennen.

Die Bühne

Die Bühne befindet sich etwa 80 Zentimeter über dem Boden der ersten Sitzreihe. Zwischen den Sitzreihen und der Bühne liegt der Orchestergraben, der fast 90 Musikerinnen und Musiker fasst und höhenverstellbar ist. Die Nutzfläche der Bühne beträgt 550 Quadratmeter, wobei die Hälfte von der Drehscheibe belegt ist, die einen Durchmesser von 17,5 Metern hat und 300 Tonnen wiegt. Da in den letzten Wochen Reinigungsarbeiten stattfanden, konnte unsere Fotografin Ida Zenna seltene Anblicke einfangen, wie zum Beispiel die heruntergefahrene Portalbrücke, über die im letzten Artikel berichtet wurde, da sie sich normalerweise weit über der Bühne befindet.
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Blick nach oben in den Schnürboden von der Stadtseite aus
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Seitlicher Zugang von den Herrengarderoben zur Bühne
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Prospekte an heruntergefahrenen Prospektzügen, die eingepackt wurden, damit sie bei den Reinigungsarbeiten nicht verstauben
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Blick von der Hinterbühne Richtung Zuschauerraum auf die heruntergefahrene Portalbrücke, davor eine Beleuchterbrücke
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Heruntergefahrene Portalbrücke mit roter Hebebühne
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Blick von der Seitenbühne (Stadtseite) auf die Bühne, rechts heruntergefahrene Portalbrücke, links Beleuchterbrücke
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Blick vom Inspizientenpult auf der Stadtseite auf die Beleuchterzüge, an denen Scheinwerfer hängen

Die Seitenbühnen

Die Bühne besteht aus weit mehr als der vom Zuschauer sichtbaren Fläche. Es gibt zusätzlich zwei Seitenbühnen und eine Hinterbühne, die sich mit Schallvorhängen verschließen lassen. Die Seitenbühnen haben eine Nutzfläche von 19x11 Metern. Darüber hinaus wird hier Material gelagert, das zum Beispiel für Umbauarbeiten auf der Bühne benötigt wird. Oft sieht man auf den Seitenbühnen größere Bühnenbildbestandteile, die vor kurzem gebraucht wurden oder die demnächst zum Einsatz kommen. Diese können von dort mit Bühnenwagen auf die Bühne gefahren werden.
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Auf der linken Seitenbühne (Stadtseite), rechts Teile der Walhall aus dem »Ring«
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Materialschränke sowie Stellagen und Einlegebretter für Podeste im vorderen Teil der linken Seitenbühne
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Zwei Hubbühnen und zwei Elektroschlepper sowie Materiallager und Fahrstuhl zum Holzlager auf der rechten Seitenbühne (Postseite)
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Blick auf die linke Seitenbühne (Stadtseite), links die heruntergefahrene Portalbrücke
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Hier werden auf der linken Seitenbühne Probenwände gebaut. Rechts sieht man eine fertige. Später werden diese schwarz bespannt.
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Detailaufnahme der Arbeitsatmosphäre auf der linken Seitenbühne
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Hier streicht ein Kollege Einlegedeckel für Bühnenbauten schwarz,...
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...während sein Kollege Uwe Schreck Elektrogeräte prüft.

Die Hinterbühne

Die Hinterbühne hat eine Nutzfläche von 22×12,5 Metern. Davon werden alleine 220 Quadratmeter für die technischen Anlagen genutzt. Hier gibt es ebenfalls einen Wagen, der allerdings schienengebunden ist. Darüber hinaus befindet sich auf der Hinterbühne das Prospektlager, wo Prospekte für verschiedene Produktionen in Stoff eingewickelt auf ihren Einsatz warten. In den beiden Dekorationsaufzügen, die bis nach unten in die Durchfahrt reichen, werden Kulissen angeliefert oder zurück in die Lagerhallen gebracht. Dazu werden sie unten in den bekannten Oper Leipzig-Lastwagen verstaut, die man häufiger durch die Stadt fahren sieht. Mitunter sind mehrere Transportfahrten für eine Vorstellung nötig.
Blick vom hochgefahrenen Orchestergraben auf die Hinterbühne, hinten das Prospektlager, an den Seiten unten die sogenannten »Umgangslichter« zur Orientierung bei Dunkelheit
Blick vom hochgefahrenen Orchestergraben auf die Hinterbühne, hinten das Prospektlager, an den Seiten unten die sogenannten »Umgangslichter« zur Orientierung bei Dunkelheit
Um die Seitenbühnen und die Hinterbühne herum führt ein langer Gang. Hier befinden sich die Solo-Garderoben der Künstlerinnen und Künstler. Dabei gibt es die Herrenseite, die sich auf der sogenannten »Stadtseite« befindet, und die Damenseite auf der »Postseite«. Dazu gibt es auf jeder Seite einen Raum für die Maske, wo die Solistinnen und Solisten geschminkt und frisiert werden. Darüber hinaus haben in diesem Rundgang auch die Ankleiderinnen und Ankleider sowie die Spielleiterinnen und die Requisite eigene Räume. Zusätzlich gibt es einen Aufenthaltsraum auf der Herrenseite und ein Zimmer zum Einsingen auf der Damenseite.
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Im Prospektlager, das sich unter der Hinterbühne fortsetzt.
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Ein Prospekt aus »Schwanensee«
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Ein Rundhorizont aus dem »Sturz des Antichrist«, dessen Premiere hoffentlich bald nachgeholt werden kann.
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Die Abdeckung für die Portalbrücke, die während der Spielzeitpause vor Verschmutzung schützt.
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Ein Ganzkörperspiegel...
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...in einer Sologeraderobe auf der Herrenseite

Der eiserne Vorhang

Zwischen Publikum und Orchestergraben befindet sich der sogenannte eiserne Vorhang. Dieser hat am Theater nichts mit Politik zu tun, sondern dient als Brandschutzmaßnahme. Er trennt das Bühnenhaus vom Zuschauerraum, um im Falle einen Brandes den Übergriff des Feuers auf andere Gebäudeteile zu verhindern. Deshalb muss er sich innerhalb von 28 Sekunden ohne den Einsatz von elektrischem Strom schließen können. An der Oper Leipzig besteht der eiserne Vorhang aus zwei Teilen. Das untere Drittel fährt aus dem Orchestergraben nach oben, während die zwei oberen Drittel aus der Saaldecke hinabgelassen werden. Diese Form ist sehr selten. Von der Bühne aus betrachtet ist der Vorhang grün, von außen cremefarben. Er ist mit Sand gefüllt und wiegt 180 Tonnen. Im Notfall kann er mit Wasser berieselt werden. Da das glücklicherweise nur sehr selten vorkommt, muss der Vorhang ab und zu gereinigt werden. Das ist in den letzten Wochen während des »Frühjahrsputzes« geschehen. Dabei wurde nicht nur geputzt, sondern auch neues Material gebaut und bestehendes gewartet und überprüft.
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Im hochgefahrenen Orchestergraben (Stadtseite), rechts der eiserne Vorhang
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Reinigung der Verteilerkästen auf der Portalbrücke, hinten der eiserne Vorhang
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Hier wird einem Kollegen geleuchtet, der unten im Orchestergraben Reinigungsarbeiten durchführt. Links der eiserne Vorhang.
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Bei der Reinigung der Scheinwerfer...
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...helfen viele Kolleginnen...
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...und Kollegen mit.
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Hier wird eine schwarze Samtsoffitte abgesaugt.
Zwischen all den Scheinwerfern und anderen technischen Vorrichtungen, die es auf der Bühne und um die Bühne herum gibt, kommen auch das Menschliche und die Kunst nicht zu kurz. Auf der Stadtseite findet man zum Beispiel über dem Maschinenpult, das in der Nähe des Inspizientenpults steht, eine kleine Sammlung ganz besonderer Kunstwerke. Dabei handelt es sich um Zeichnungen von Tenor und Ensemblemitglied Martin Petzold, die er als Grüße zu verschiedenen Premieren angefertigt hat – gerade in diesen Zeiten eine besonders schöne Erinnerung.
Zeichnungen von Ensemblemitglied Martin Petzold
Zeichnungen von Ensemblemitglied Martin Petzold
Fotos © Ida Zenna