Leipziger Ballett

Entwicklung

Die Tänzerin Urania Lobo Garcia spricht über die Arbeit mit Mario Schröder.

von Nele Winter Freitag 29.01.2021
Urania Lobo Garcia bei einer Probe mit Mario Schröder © Ida Zenna

In unserer Reihe #marioschroeder10 anlässlich des 10-jährigen Jubiläums von Ballettdirektor und Chefchoreograf Mario Schröder beim Leipziger Ballett kommen nun die Tänzerinnen und Tänzer zu Wort. Den Anfang macht Urania Lobo Garcia, die eine langjährige Zusammenarbeit mit dem Choreografen verbindet.

Anfang

»Ich habe 2010 beim Leipziger Ballett angefangen, also zur selben Zeit wie Mario, aber wir kennen uns schon länger. Zum ersten Mal habe ich ihn in Kiel getroffen, wo er damals Ballettdirektor und Chefchoreograf war. Dort haben wir zwei Jahre lang zusammengearbeitet, obwohl die Arbeit unterbrochen wurde, denn ich hatte eine Verletzung und er war krank. Er gab mir die erste Gelegenheit zu entdecken, wer ich als Tänzerin bin, vor allem was Modern Dance betrifft. Denn ich war vorher eine sehr klassische Tänzerin. Die kurze Zeit der Zusammenarbeit in Kiel gab mir einen ersten Eindruck davon, dass er die richtige Person ist, um mir zu helfen mich als Tänzerin weiterzuentwickeln. Später in Leipzig haben wir dann begonnen, die Zusammenarbeit zu vertiefen.«

© Ida Zenna
© Ida Zenna

Atmosphäre

»Mario ist nicht nur ein Direktor oder Chef. Wir haben keine kalte Geschäftsbeziehung, sondern eine sehr freundschaftliche und enge. Diese Menschlichkeit, mit der er mir und allen Tänzerinnen und Tänzern begegnet, ist eines der Dinge, das ich am meisten an ihm mag und das ihn besonders macht. Er schafft es, eine Atmosphäre von Integration, globalem Bewusstsein und Gemeinschaft zu fördern, obwohl wir alle aus so vielen verschiedenen Ländern kommen. Ich mag es, dass er seine eigene choreografische Handschrift hat, die sich über die Jahre weiterverändert hat. Marios Entwicklung als Choreograf war nicht nur inspirierend zu beobachten, sondern hat auch meine eigene Entwicklung als Tänzerin beeinflusst. Seine Kunst ist nicht nur ästhetisch, sondern hat auch eine Bedeutung. Es gibt immer etwas, über das man nachdenken kann, wenn man eines seiner Werke betrachtet.«

© Ida Zenna
© Ida Zenna

Höhepunkte

»Es gibt viele Produktionen, die unvergesslich für mich sind. Eine davon ist »Chaplin«, eines seiner ersten Stücke, in denen ich aufgetreten bin. Es ist unglaublich aus einer technischen Perspektive betrachtet und ich liebe die Geschichte dahinter, die mich zum Weinen gebracht hat, als ich es das erste Mal sah. Ein anderes Stück, das ich sehr mag ist »Le Sacre du Printemps«. Die Interaktion von Strawinskys Musik und seiner Inszenierung mit den Clowns finde ich sehr kraftvoll. Sie erzählt eine humanistische Geschichte und überwindet die Stereotype, die man von vielen anderen »Sacre«-Choreografien kennt. Das letzte unvergessliche Stück ist für mich »Schwanensee«. Mario machte mir eines der größten Geschenke meines Lebens, als er mir die Möglichkeit gab, so eine wichtige Rolle zu tanzen. So eng mit ihm an der Entstehung dieser Rolle zu arbeiten, war sehr intensiv und erfüllend.«

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Urania Lobo Garcia in »Chaplin« © Ida Zenna
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»Le Sacre du Printemps« © Ida Zenna
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»Schwanensee« © Ida Zenna
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»Le Sacre du Printemps« © Ida Zenna
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»Schwanensee« © Ida Zenna

Hübsch

»Wir haben immer sehr viel Spaß, besonders im Ballettsaal, wenn Mario eine neue Choreografie entwickelt. Der Prozess des Ausprobierens, des Transformierens seiner Imagination in die Realität und des Experimentierens kann sehr viel Spaß machen und lustig sein. Eine Sache, die ich nie vergessen werde, war, als er mir sagte, dass ich zu hübsch aussehe. Das war für mich zunächst ein bisschen merkwürdig, denn als Balletttänzerin ist es das, wonach man strebt. Mit dem Gegenteil von dem konfrontiert zu sein, was ich gelernt hatte, brachte mich zum Nachdenken. Warum bin ich so fokussiert darauf, hübsch auszusehen? Was könnte eine andere Bedeutung von Schönheit sein? Das hat mich die unterschiedlichen Arten entdecken lassen, wie ich meinen Körper bewegen kann, ohne daran zu denken, ob es für andere schön oder hässlich aussieht.«