Leipziger Ballett

Achtsamkeit

Der Dirigent Felix Bender spricht über das Dirigieren für Tanz und seine enge Zusammenarbeit mit Mario Schröder.

von Anna Diepold Montag 05.07.2021
Felix Bender und Mario Schröder ©Ida Zenna

Das erste Kennenlernen

Während meiner Tätigkeit als ständiger Gastdirigent an der Oper Leipzig habe ich in Mario Schröder einen überaus inspirierenden Kollegen kennen- und schätzen gelernt. Erste Gelegenheit einer engen Zusammenarbeit war mit der Uwe-Scholz-Gala im Jahr 2018 gegeben, die er choreographiert hatte und die ich dirigieren durfte. Das war ein sehr emotionaler Abend mit wunderbarer Musik von Mozart, Beethoven und Rachmaninov… Kurz darauf hatte ich das große Glück, eine Vorstellung des Doppelabends Boléro/Sacre du printemps zu leiten – einer meiner Favoriten unter Marios Choreographien. Ein Highlight war dann auch die Arbeit am Magnificat, einem Abend mit Werken von Johann Sebastian Bach und Giovanni Battista Pergolesi – traumhafte Barockmusik, fantastisch getanzt. Und so war der Grundstein für unseren steten Austausch von Ideen und Konzepten für weitere gemeinsame Projekte gelegt. Außerdem bestätigte sich für mich immer mehr, wie anregend und bereichernd die Arbeit mit Tänzern ist.

Für Tanz dirigieren

Für Tanz zu dirigieren bedeutet eine zusätzliche Farbe in meiner Tätigkeit. Ob mit Sängern oder mit eine Tanzcompany auf der Bühne zusammenzuwirken, macht durchaus einen Unterschied, es ist eine jeweils andere Art des Musizierens. Ein Ballett vom Graben aus zu begleiten, erfordert höchste Präzision, etwa hinsichtlich der Tempi. Denn schließlich geht es darum, eine exakte Übereinstimmung der Musik mit dem körperlichen Ausdruck zu erzielen. Dies verlangt vom Dirigenten eine ganz besondere Form der Achtsamkeit, mit der er sich auf die Choreographie einstellt, um für die Tänzer verlässlich dafür zu sorgen, dass die Aktionen genau auf dem Punkt zusammenkommen. Das muss unabhängig von der Tagesform und auch ungeachtet längerer zeitlicher Abstände zwischen den Aufführungen stets abrufbar sein.

Dies habe ich auch während der Arbeit an Tschaikowskis »Dornröschen«, meiner ersten eigenen Produktion mit Ballett an der Oper Leipzig, die ich häufig dirigiert habe, immer im Blick gehabt. So wohnte ich in der Erarbeitungsphase mehrfach den Tanzproben bei, noch bevor das Orchester daran beteiligt war. Dabei, und ebenso in zahlreichen Gesprächen mit Tänzern und Choreographen, konnte ich mich umfassend über das Geschehen auf der Bühne informieren und bis ins Detail wahrnehmen, worauf ich für das perfekte Zusammenspiel von Tanz und Musik zu achten habe. Denn es gibt immer wieder Momente, z. B. bei kurzen Übergängen, in denen der Einsatz des Orchesters mit minimalen Bewegungen der Tänzer zusammenkommen muss, da ansonsten das ganze Bild nicht stimmt.

Aber natürlich sind wir allesamt keine Maschinen und wollen dies auch nicht sein, denn den Raum für den künstlerischen Ausdruck des Augenblicks bewahren wir uns auf jeden Fall …

Felix Bender, Mario Schröder und Roman Slomski © Ida Zenna
Felix Bender, Mario Schröder und Roman Slomski © Ida Zenna

Immer im Austausch

In dieser Überzeugung stimmen Mario und ich uneingeschränkt überein. Zudem ist Mario Schröder ein Choreograph mit einem extrem guten Gespür für Musik und deren Möglichkeiten der tänzerischen Umsetzung. So gehen unsere Ideen für künftige Vorhaben oft in die gleiche Richtung und werden in unseren gemeinsamen Gesprächen nicht selten bereits konzeptionell gedacht. Es ist dies eine Qualität der Zusammenarbeit, für die ich immer sehr dankbar bin und die ich nicht missen möchte.